Kultur : Stroh

Von Monika Rinck.

Hört ihr das, so höhnen Honigprotokolle, jetzt hat die Empfindlichkeit

sich ausgedehnt, jetzt hat sie alle Räume überspannt und angezündet.

Irdische Traurigkeit, die Birken ergrauten, ein Auge hat der Hund verloren.

Asche, flockiges Zaudern, Sühne, Müdes, vielleicht Gram, doch deine Pflicht

ist es hindurchzugehen, als sei es Licht, worin das Elend steht, mit Händen,

die du dir gebunden denkst. Dann siehst du: Es lässt nach, das Begreifen.

Klarheit gibt es nur mehr mit der Drastik des Schocks. Ein lautloser Knall.

Du kannst nichts mehr fassen, bist fahrig, und im Versuch, doch zu begreifen,

kommst du auf der anderen Seite wieder heraus, Relief, das nicht existiert,

Tremolo, das nicht existiert, als hättest du bloß in den Nebel gegriffen,

seiest einem Nebelpferdchen aufgesessen (Hühott, der Graue stürzt mich,

ich falle durch ihn hindurch) und bist tief unten, empfindlich, unbegriffen,

in Erwartung des Schocks. Aber plötzlich, hier, alles gelb, voller Stroh!

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