Kultur : Stromern gehen

LENNART PAUL

Der Junge schlägt seine Fäuste in die Luft, dorthin, wo die Hochhäuser stehen, in denen er wohnt - ein Kampf gegen seine Umgebung, in dem er nicht Sieger sein kann.Aber Gründe zu kämpfen hat Dominik allemal.Schließlich ist er 16, sein Vater (Heinz Werner Kraehkamp) ist ein arbeitsloser Trinker, der müde am Küchentisch sitzt und weltfremd vom gemeinsamen Geschäft mit dem Sohn träumt.Dominiks Mutter (Dagmar Manzel) konzentriert sich auf ihre Affäre, während sein halbseidener Halbbruder ihm predigt, hart zu sein.

Und die Schule? Dominik hat sie längst aufgegeben - wie auch die Schule ihn aufgegeben hat.Die blauen Briefe, die er routiniert einkassiert, zählen nicht mehr.Dominik stromert durch Berlin, mal alleine, mal mit seinem Freund Mustafa, ein Stadtstreicher auf der Flucht vor der Langeweile.In der U-Bahn begegnet ihm die Ausreißerin Vivian.Vivian borgt sich bei einem schlafenden Fahrgast die Videokamera, um Dominik zu filmen.Doch die Annäherung der beiden mündet in Gewalt, als der Fahrgast aufwacht.Die erste Liebe eines einsamen Großstadtjungen, das klingt mächtig banal - und das ist es auch: so banal aber, daß es der Wirklichkeit recht nahe kommt.Regisseur und Drehbuchautor Edward Berger, 1970 geboren, ist jung genug, um zu wissen, wie die Viva-Generation spricht.Wenn Dominik von seinen Träumen redet und für sich "nur ein bißchen Respekt" fordert, klingt er wie ein Nachwuchs-Rapper.Seine Gefühle für Vivian kann er bloß in Taten ausdrücken.Aber weil Dominik fühlt, ist er nicht verloren."Gomez" ist der erste Langfilm Bergers, der zuvor bei der US-Produktionsfirma "Good Machine" arbeitete und Filme wie "Sinn und Sinnlichkeit" betreute.Vom unabhängigen amerikanischen Kino der frühen Neunziger hat er sich einiges abgeschaut.Dennoch wirkt "Gomez" authentisch - ein Talentbeweis, zu dessen Gelingen auch der unverkrampft agierende Hauptdarsteller Antonio Wannek beiträgt.

Im Moviemento 1 und 2

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