Kultur : Studie: Deutschland vernachlässigt seine Bibliotheken

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Im internationalen Vergleich führen deutsche Bibliotheken ein „Mauerblümchen“Dasein. Sie erhalten deutlich weniger Geld, werden seltener von den Bürgern besucht und der Bestand stößt nur auf mäßige Wertschätzung. Nutzungsgrad und Zufriedenheit mit dem Angebot seien in den untersuchten Staaten Finnland, Großbritannien, Singapur, Dänemark und den USA deutlich höher als in Deutschland, teilten am Montag die Gütersloher Bertelsmann Stiftung (Gütersloh) und die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände (BDB) mit. Dänische Bürger nutzten Bibliotheken drei Mal so oft wie die Deutschen, hieß es. Allerdings lassen sich andere Länder ihre Bibliotheken auch erheblich mehr kosten, wie die Studie im Rahmen des Projekts „Bibliothek 2007“ ergab: Während in Deutschland pro Jahr etwa ein Euro pro Kopf für Bücher und andere Medien investiert werden, sei es in den Vergleichsländern das Drei- bis Neunfache. In Großbritannien seien zudem neun von zehn Befragten mit dem Angebot der Bibliotheken zufrieden, während es in Deutschland nur 40 Prozent seien. In den untersuchten Ländern dienten Bibliotheken etwa zur Garantie des freien Informationszugangs für jeden Bürger oder zur Integration von Migranten durch Leseförderung. „Die Bildungsspitzenländer haben das Potenzial, das in Bibliotheken für die Bildung liegt, erkannt – in Deutschland dagegen redet auch nach PISA kaum ein Politiker über Bibliotheken“, sagte Christof Eichert von der Bertelsmann Stiftung. dpa

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