Kultur : Studie: Nazis planten Holocaust auch in Palästina

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Die Nationalsozialisten planten eine Ausweitung des Holocaust auf das damalige Palästina, mit arabischer Hilfe. Dies ergeben Recherchen der Berliner und Stuttgarter Historiker Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers, deren Forschungseinrichtung zur Ludwigsburger Zentralstelle zur Fahndung nach NS-Verbrechen gehört. Ihnen zufolge stand zur Ermordung der etwa 500 000 vor den Nazis nach Palästina geflohenen europäischen Juden ab Sommer 1942 ein Einsatzkommando in Athen bereit, das Erwin Rommels Afrika-Korps unterstellt war. Nur die Niederlage Rommels gegen die britische Armee in der Schlacht von Al Alamein habe eine Ausweitung des Massenmords verhindert, heißt es in der Studie „Deutsche, Juden, Völkermord“ (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt). Das „Einsatzkommando Ägypten“ sollte nach dem Muster der NS-Einsätze in Osteuropa vorgehen, die bereits hunderttausende Juden in der Sowjetunion und anderen Ländern Osteuropas ermordet hatten.

Als Leiter des Nahost-Kommandos zur „Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina“ wurde SS-Obersturmbannführer Walther Rauff benannt, der bereits den Einsatz von Gaswagen in der Sowjetunion und in Serbien verantwortet hatte. Auch sollten palästinensische Kollaborateure angeworben werden. Amin el Husseini, der Mufti von Jerusalem und ein Verwandter des späteren Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, stand Mallmann und Cüppers zufolge dafür bereit. „Die Geschichte des Nahen Ostens wäre völlig anders verlaufen und ein jüdischer Staat hätte dort wohl nie gegründet werden können, wenn das Vorhaben (...) in die Tat umgesetzt worden wäre“, bilanzieren die Historiker. reu

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