Kultur : Studienblatt im Höhenflug

Die Ergebnisse im Berliner Auktionshaus Bassenge blieben vielfach hinter den Erwartungen zurück

Michaela Nolte

Obwohl schon der Titel von Ernst Wilhelm Nays „Jagdbeute“ geradezu danach ruft, löste das kostspieligstes Los der Frühjahrsauktionen bei Bassenge keine Polyphonie aus. Die vorab geschätzten 150 000 Euro korrigierte der Auktionator gleich beim Einstieg auf 105 000 Euro, die ein süddeutscher Händler um lediglich 5000 Euro erhöhte. Bei einem insgesamt mäßigen Angebot blieb vor allem die Kunst des 20. Jahrhunderts hinter den Erwartungen zurück. Nays Gouache „Thais und Anna“ verfehlte die Taxe um ein Fünftel und ging für 20 000 Euro in amerikanischen Privatbesitz. 25 000 Euro für einen Holzschnitt von Emil Nolde wollte gar niemand bieten, und von den knapp 50 Prozent Zuschlägen blieben viele unterhalb der Schätzpreise, so Heinz Trökes „Sonnenhorn“ mit 9000 Euro, oder übertrafen diese nur gering, wie eine „Trümmer“-Zeichnung von Werner Heldt für 5000 Euro.

Zum Spitzenlos avancierte dann Caspar David Friedrichs „Studienblatt mit einer Eiche und zwei Löwenzahnpflanzen“, das die erwarteten 45 000 Euro spielend überflügelte und für 110 000 Euro einem Berliner Privatsammler gegen zwei Konkurrenten zugesprochen wurde. Dieselbe Provenienz aus der Sammlung Gottfried Doehlers, dem einstigen Direktor des Dresdener Kupferstichkabinetts, adelte eine anonyme Fichten-Studie aus der Friedrich-Nachfolge, die von 900 auf 6000 Euro kletterte.

Weitgehend reüssieren konnten die Haupt-Offerten der Kunst des 15. bis 17. Jahrhunderts. Der 39-teilige „Triumphzug Kaiser Maximilians“ von Hans Burgkmair fand für 25 000 Euro keinen Abnehmer, während qualitätsvolle Blätter wie der Frühdruck „Die Hochzeit von Mopsus und Nisa“ nach Pieter Brueghel d.Ä. die Taxen übertrafen. Den nahezu doppelten Preis erzielten Albrecht Dürers Holzschnitt „Das letzte Abendmahl“ mit 23 000 Euro sowie Rembrandt van Rijns „Medea oder die Hochzeit des Jason und der Creusa“, für die ein deutscher Händler den Zuschlag bei 46 000 Euro erhielt. Hingegen blieb Rembrandts zarte Radierung „Die Hütten am Kanal“, für die eine Saalbieterin 15 000 Euro gewährte, ebenso unterhalb der Schätzung wie Dürers „Meerwunder“, das anstelle der veranschlagten 60 000 nur 50 000 Euro einbrachte, derweil sein Kupferstich „Der heilige Hubertus“ oberhalb der Taxe bei 25 000 Euro zugeschlagen wurde. Wenn man im Hause Bassenge noch vor den Versteigerungen der Fotografien sowie Miscellaneen & Trouvaillen einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro verbucht, liegt dies vor allem an der Auslandsbeteiligung; dagegen scheint der binnendeutsche Markt noch frühjahrsmüde zu sein.

Bassenge Auktionen, Erdener Straße 5A; Auktion für Miscellaneen & Trouvaillen des 15. bis 19. Jahrhunderts heute um 9.30 Uhr.

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