Kultur : Stück für Stück

Slasher-Movie: „Severance“ von Christopher Smith

Bodo Mrozek

Ein nettes Wochenende: Die Angestellten der Firma Palisade wollen sich in der „luxuriösen Jagdhütte“ in Osteuropa vergnügen. Paintball-Spiele im Wald und gemeinsame Nachtwanderungen sollen die Bürohengste zum Team zusammenschweißen. Das scheint auch bitter nötig, denn Palisade ist kein normales Unternehmen. Man verkauft von der Tränengasdose bis zur Bodenluftrakete alles, was Geld bringt. Auf dem Waffenmarkt.

Doch die Sache läuft anders als erwartet. Erst setzt der Busfahrer die Großstadtneurotiker mitten im Wald aus, dann entpuppt sich das Ferienhaus als Bruchbude. Statt der erhofften Gruppendynamik gehen sich die Kollegen gehörig auf die Nerven. Zu allem Überfluss tauchen im Keller Dokumente auf, die das ohnehin dubiose Unternehmen in ein noch ungünstigeres Licht setzen. Was immer die Papiere zu bedeuten haben – es scheint genug Menschen zu geben, die allen Grund haben, sich an den Waffenhändlern zu rächen. Dumm nur, dass Waffendealer im Nahkampf keine Erfahrung haben. Schreibtischtäter plagen sich eher mit Marketing, Lohnbuchung und Wochenkonferenzen. Und so dauert es nicht lange, bis das erste Bein abgetrennt ist und das Blut nur so spritzt.

„Severance“ ist der etwas andere Slasher-Film. Regisseur Christopher Smith, der bereits Franka Potente in „Creep“ das nackte Grauen durchleiden ließ, nimmt das Genre diesmal nicht zu ernst. Es fließt zwar viel Filmblut, nebenbei aber wird das Genre des Killers mit dem langen Messer ordentlich durch den Kakao gezogen. Kenner dürfen sich an Zitaten von „Trainspotting“ über „Blair Witch Project“ bis „Hostel“ erfreuen. Danny Dyer als dauerbekiffter Internet–Junkie bringt Situationskomik in die blutige Jagd durch den Wald, und am Ende kommt zwischen den Mitarbeitern tatsächlich Teamgeist auf. Allerdings ist da – wie es sich für einen Slasher-Film gehört – vom ursprünglichen Team nicht mehr viel übrig. Jedenfalls nicht am Stück.

In zehn Berliner Kinos, OV im Eiszeit

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