Kultur : Stümper unter sich

Steven Zaillians Remake „Das Spiel der Macht“

Jan Schulz-Ojala

Gute Idee eigentlich, gerade jetzt in Amerika einen Film über Führungsfiguren zu drehen, die an der Macht scheitern. Gute Idee auch erst mal, dabei auf einen historischen Stoff zurückzugreifen – auf Robert Penn Warrens Porträt des populistischen, demagogischen und machtbesoffenen Selfmade-Provinzpolitikers Huey „Kingfish“ Long, der zum Gouverneur von Louisiana aufstieg und, als Gegenspieler Roosevelts, sogar US-Präsident werden wollte. Schadet auch nichts, dass die Story schon mal verfilmt wurde – von Robert Rossen unter dem Titel „All the King’s Men“ (1949). Hauptsache, Hollywood ergründet weiter kritisch und massenkompatibel die Rätsel amerikanischer Polit-Mysterien. Auch Noch-Präsident Bush dürfte – von Filmkunst bis Wissenschaft – künftige Analytiker der amerikanischen Seele zur Klärung der Frage reizen, wie es möglich war, dass ein derart kriegslüsterner Polit-Stümper dem Ansehen seines Landes binnen weniger Jahre mehr schaden konnte als wohl all seine 42 Amtsvorgänger zusammen.

Leider zielen die Bemühungen von Steven Zaillians Remake, das hierzulande unter dem verwaschenen Titel „Das Spiel der Macht“ sein Glück versucht, überwiegend auf Rekordversuche in Sachen Konfusion und Langeweile. Sean Penn gibt, überwiegend penetrant chargierend, den aufrechten Bürger Willie Stark, der mit Brandreden gegen Korruption nach oben kommt, sich dann mit der örtlichen Mafia einlässt und schließlich einem Amtsenthebungsverfahren entgegenstemmt.

Erzählt wird die verworren strukturierte, sich meist bloß selbstgefällig in statuarischen Situationen und Dialogen erschöpfende Geschichte aus der Perspektive von Starks PR-Helfer Jack Burden (Jude Law), dessen ausgiebige Voice-over-Passagen ebenfalls wenig Erhellendes zum Geschehen beitragen. Anthony Hopkins muss als Starks politischer Hauptwidersacher und zugleich als Burdens Vater stereotyp Moral verkörpern, während Kate Winslet als hübscher love interest zunehmend angestrengt zwischen den verschiedenen Protagonisten hin- und hertaumelt.

Großes Thema, große Schauspielernamen – alles deutet auf gewisse Oscar-Sehnsüchte aller Beteiligten, zumal schon Robert Rossens Original vor bald 60 Jahren drei Oscars holte. In Amerika aber ist „Das Spiel der Macht“ (einem Budget von über 50 Millionen Dollar steht ein Einspiel von gerade mal 7 Millionen gegenüber) schon mal gnadenlos gefloppt. Hochverehrtes Publikum!

Cinemaxx Potsdamer Platz, Colosseum, Kulturbrauerei, Kurbel; Originalversion im Cinestar Sony-Center

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