Kultur : Stunde der Pragmatiker

Bernd Neumann wird Kulturstaatsminister

Christina Tilmann

Der Landesvorsitzende der Bremer CDU Bernd Neumann wird neuer Staatsminister für Kultur und Medien. Nach Informationen vom Montagabend will CDU-Chefin Angela Merkel diese Personalie nach ihrer Vereidigung zur Bundeskanzlerin am Dienstag offiziell bekannt geben. Der Bundestagsabgeordnete und Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Bundes-Kulturausschuss war zuletzt neben der rheinland-pfälzischen CDU-Politikerin und Vorsitzenden der Frauen-Union Maria Böhmer als aussichtsreichster Kandidat gehandelt worden. Böhmer soll nach Informationen des „Kölner Stadtanzeigers“ nun Staatsministerin für Ausländerpolitik und Integration im Kanzleramt werden.

Kein Visionär, sondern ein guter Bürokrat, sagen die, die bisher mit ihm zu tun hatten: Mit Neumann übernimmt nach den Quereinsteigern Michael Naumann (SPD), Julian Nida-Rümelin (SPD) und Christina Weiss (parteilos) nun erstmals ein bewährter Parteipolitiker und Pragmatiker das Amt, das die Regierung Schröder 1998 als „Beauftrager der Bundesregierung für Kultur und Medien“ geschaffen hatte. Der in Westpreußen geborene, heute 63-jährige Neumann ist seit 1962 CDU-Mitglied, seit 1987 MdB und war von 1991 bis 1998 Staatssekretär im Bundesbildungsministerium. Die Bremer CDU führt der Helmut Kohl-Freund seit 1979: Damit ist er der dienstälteste Landesvorsitzende Deutschlands.

Neumann, der zunächst fünf Jahre als Lehrer arbeitete, gilt als Medien- und Filmfachmann. Er saß unter anderem im Verwaltungsrat und im Präsidium der Filmförderungsanstalt und in der Jury zum Deutschen Filmpreis. Für seine Parlamentskollegen organisierte er Sondervorführungen von Eichingers „Der Untergang“ und Mel Gibsons „Passion Christi“. Dass gerade der Film im Koalitionsvertrag relativ ausführlich behandelt wird, ist wohl kein Zufall.

Zuletzt hatte sich Neumann mit Olaf Zimmermann, dem Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, ein Scharmützel über die Rolle der Kultur in der künftigen Bundespolitik geliefert: Von „Aushöhlung“ oder „Entmachtung“ des Amts könne keine Rede sein, so Neumann. „Auf der Grundlage des Koalitionsvertrages kann die Kulturszene sicher sein, dass sie mit der nächsten Bundesregierung einen stabilen und verlässlichen Partner haben wird.“ Dass der Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik nach wie vor nicht beim Kulturstaatsminister, sondern im Auswärtigen Amt angesiedelt sei, bedauert er hingegen ausdrücklich.

In einem „taz“-Interview hatte Neumann 2002 höhere Ambitionen zugegeben: „Der letzte Kick wär der Minister“. Nun hat er’s: fast.

0 Kommentare

Neuester Kommentar