Kultur : Sturmgewehr des Guten Der Bestsellerautor

Tom Clancy ist tot.

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Tom Clancy war nicht nur ein Mann hoher Buchauflagen, sondern auch ein Mann weiser Worte. „Der Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit ist, dass die Fiktion Sinn geben muss“, ist eins der Bonmots, mit denen der am Dienstag im Alter von 66 Jahren in seiner Geburtsstadt Baltimore verstorbene Bestsellerauto jetzt überall zitiert wird. Wo andere Schriftstellerkollegen den zarten künstlerischen Wunsch hegen, literarisch Sinn gegen die vertrackte Unübersichtlichkeit der Welt zu stiften, hat Clancy in seinen Spionagethrillern lieber zugesehen, dass die Fakten stimmen, die Spannung hält und Freund und Feind klar auseinanderzuhalten sind.

Seinen Durchbruch erlebt der ehemalige Versicherungsagent 1984 noch im Kalten Krieg mit „Jagd auf Roter Oktober“, in dem ein sowjetischer U-Boot-Kapitän aus Überzeugung fahnenflüchtig wird und sein waffenstarrendes Atom-U-Boot an die US-Marine übergibt. Tom Clancys Held, CIA-Agent Jack Ryan, taucht hier zum ersten Mal auf. Der Millionenseller schafft es alsbald auf den Nachttisch des begeisterten Ronald Reagan und wird 1988 mit Sean Connery und Alec Baldwin in den Hauptrollen verfilmt. Der erste Erfolg entpuppt sich als dauerhaft: 17 seiner Bücher landen auf Platz eins der Bestsellerliste der „New York Times“.

Zum Schreiben kommt der stramm konservative Waffennarr und Befürworter des Vietnamkriegs, dem ein Augenleiden die ersehnte Militärlaufbahn vereitelt, weil ihn das Policenlesen auf Dauer elend langweilt. Der unverbrüchliche Glaube an die heilsamen Weltordnungskräfte einer militärischen Supermacht ist dem Sohn eines Postboten sowieso zu eigen, also fängt er an, Seekarten, Marinehandbücher und Militärtechnikwälzer zu studieren und eigene Welten zu entwerfen, in denen das Gute gut und das Böse böse ist und Ersteres verlässlich gewinnt. Seine Maxime, dass die Fiktion Sinn geben muss, erfüllt er dabei penibel: Immer wieder äußern sich Geheimdienst- und Militärexperten, zu denen er später beste Kontakte hat, erstaunt über Clancys Detailkenntnis. Neben der Autorenkarriere vermarktet die republikanische Ikone ihren Namen für Videospiele und besitzt eine Baseballmannschaft. In zwei Monaten erscheint das nächste Buch – „Command Authority“.gba

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