Kultur : Sturmstärke

Richard Hickox und Steven Isserlis im Berliner Konzerthaus

Eckart Schwinger

Ein leidenschaftliches Plädoyer für seine Landsleute Britten, Walton und Elgar lieferte Richard Hickox bei seinem Konzert mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin. Den meisten dürfte der britische Dirigent vor allem aufgrund seiner CD-Einspielungen ein Begriff sein. Benjamin Britten ist dabei reichlich vertreten. Am Beginn seines Abends im Konzerthaus stand ein volksliedhaft feines, rhythmisch bisweilen widerborstiges und klangwitziges Stück des „Orpheus Britannicus“, das letzte vollendete Orchesterwerk von Britten: die Suite on English Folk Tunes „A time there was...“ Hickox, zunächst noch zu eingleisig und trocken agierend, musizierte es eher zu matt als wirklich amüsant. Am Ende, bei der ersten Sinfonie in As-Dur von Edward Elgar, einem majestätischen und typisch britischen Monumentalbild, trat er mit ungleich stärkerer dirigentischer Lust in Aktion. Stürme von beängstigender Geschwindigkeit und Stärke wurden dabei in den Ecksätzen vom energisch und konturenscharf spielenden Orchester entfacht. Hickox betonte bei dieser ersten Sinfonie von Elgar allerdings nicht nur den raffiniert instrumentierten Pomp, sondern auch die Noblesse und Melancholie, die in diesem so imposanten wie zwiespältigen Werk stecken. Gelegentlich erinnert es aus der Ferne an Mahler, zumeist sehr direkt an Brahms.

Das interpretatorische Ereignis des Abends brachte jedoch das 50 Jahre später komponierte, lyrisch zauberhaft aufgefächerte, leicht spätromantisch düstere und bisweilen sogar etwas filmmusikalisch eingefärbte Cellokonzert von William Walton. Steven Isserlis, das britische Cello-Wunder, begeisterte mit traumhafter Leichtigkeit und einer ungewöhnlich reich schattierten Zartheit.

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