Warum nicht eine Tourismussteuer?

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Subventionen für Kultur : Piraten wollen Deutscher Oper das Geld streichen
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Der „Spiegel“ nennt das HAU, das Ballhaus Naunynstraße und das Maxim Gorki Theater die Motoren der Veränderung in Berlin. Alle drei Häuser sind staatlich gefördert, sind überaus erfolgreich, alle drei stehen vor einem personellen Neubeginn. Sie gehören verwaltungstechnisch nicht zur Freien Szene, sehr wohl aber politisch und künstlerisch. Wenn Sasha Waltz mit ihrer Compagnie an der Staatsoper tanzt, dann ist es das Gastspiel einer Freien Gruppe, die eventuell auch noch mit dem Staatsopernapparat koproduziert.

An diesen Beispielen sieht man, wie missverständlich die Begriffe sind. Während die großen Tanker ästhetisch immer stärker in eine Richtung steuern, die früher einmal das Off war, das Experimentelle, will die Freie Szene, etwa Sasha Waltz und das Radialsystem, immer mehr staatliche Förderung, machen die Freien klassische Programme mit neuen Ideen. Beide Seiten haben Recht, sie können auch gar nicht anders. Und der Berliner Senat muss erkennen, dass diese privaten, professionellen Initiativen zunehmen. Und dass es der Stadt gut tut.

Leicht ist dieser Konflikt zu entschärfen. In der Tat müssen das HAU, das Maxim Gorki Theater stärker gefördert werden. Sie haben sich vom Rand ins Zentrum vorgearbeitet, sind stilprägend. Auch ein privates Haus wie das Radialsystem braucht mehr Mittel. Mit ein paar Millionen Euro – warum nicht aus einer Tourismussteuer? – kann man sehr viel bewegen. Es kostet nicht die Welt, eine auskömmliche Balance herzustellen zwischen den großen Institutionen und den Freien, die aufeinander angewiesen sind. Neue Staatstheaterapparate sollen dabei sicher nicht entstehen. Es kostet jedenfalls kein Opernhaus. Denn eine Schließung, das weiß man in Berlin seit dem Schillertheater-Debakel, bringt katastrophale Reaktionen. Und sie ist teuer.

Schön, dass der Regierende Kultursenator Klaus Wowereit dem BMW Guggenheim Lab den roten Teppich ausrollt. Er kann noch ein paar Meter mehr bestellen und sie vor den Laboratorien verlegen, die schon auf Hochtouren laufen. Die Förderung der Freien Szene war stets so schwierig wie notwendig in dieser Stadt. Nur muss es diesmal schneller gehen. Inzwischen sind die Freien keine Ideologen mehr, sondern Unternehmer und Partner. Piraten mit Kapitänspatent.