Subventionen für Kunst-Szene : Es geht nur mit frischem Geld

Gegen Populismus und Sozialneid: Die Bedingungen für die freie Szene in Berlin verschlechtern sich Jahr für Jahr. Das stellt die Künstler vor weitere Herausforderungen. Wie sich die freie Szene in Berlin neu organisiert.

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Pelz und Parolen. Das Stück „Berliner Leben“ an der Neuköllner Oper erzählt von Nachtschwärmern und Touri-Nepp.
Pelz und Parolen. Das Stück „Berliner Leben“ an der Neuköllner Oper erzählt von Nachtschwärmern und Touri-Nepp.Matthias Heyde

Von allem zu viel? Die Hälfte reicht auch? Selbstreproduzierende Gleichmacherei allerorten? Seit Wochen wird eine neue Sau durchs kulturelle Deutschland getrieben: das Buch "Der Kulturinfarkt", das einen angeblichen Überdruss an den Produkten der Hochkultur und eine verkrustete Subventionsmentalität diagnostiziert. Zugleich beantragt die Piratenpartei im Abgeordnetenhaus die Streichung der Subventionen für die Deutsche Oper – und damit deren Schließung.

Der Vorstoß wurde zwar abgelehnt, aber offenbar formiert sich hier ein Angriff auf das weltweit beneidete System der Kulturförderung in Deutschland, ein Vorstoß, Kunst marktliberal umzukrempeln nach niederländischem Vorbild. Was sagen diejenigen dazu, die von der Diskussion profitieren könnten: die Vertreter der freien Szene in Berlin?

Die sprechen seit Neuestem mit einer Stimme. Mitte März hat sich die "Koalition der freien Szene" gebildet, der fast 70 Gruppen, Einzelpersonen und Häuser angehören. Dass das zeitgleich mit Erscheinen des "Kulturinfarkt" geschah, ist reiner Zufall. Anlass war, dass die Ausschüsse im Parlament gerade die Verhandlungen über den Doppelhaushalt 2012/2013 führen, der im Sommer beschlossen werden soll. Es geht dieser Koalition um viel, nicht nur darum, verstärkt wahr- und ernst genommen zu werden, sondern, natürlich, auch um mehr Geld. Und um eine Debatte, wie Kulturförderung in Berlin überhaupt in Zukunft aussehen soll.

Berlins Clubleben im Wandel
Mit der Maria am Ostbahnhof schließt am Wochenende schon wieder ein Club - dafür haben andere gerade aufgemacht. Ein ÜberblickWeitere Bilder anzeigen
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16.05.2011 11:50Mit der Maria am Ostbahnhof schließt am Wochenende schon wieder ein Club - dafür haben andere gerade aufgemacht. Ein Überblick

"Berlin ist bei auswärtigen Gästen erfolgreich, vor allem wegen der vitalen Kulturszene. Es tut aber zu wenig, um diese Szene zu unterstützen", sagt Folkert Uhde vom Radialsystem, wo die Fäden der Koalition zusammenlaufen. Und Kulturmacher Christophe Knoch, auch er eine treibende Kraft bei der Gründung der Koalition: "Dass der Senat ein Leuchtturm-Projekt wie das BMW Guggenheim Lab willkommen heißt, ist symptomatisch. Dort soll über die Zukunft von Stadt nachgedacht werden, während es in Berlin Dutzende von kaum geförderten Einzelinitiativen gibt, die genau das tun."

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