Kultur : Such,Maschine! Texte tanzen – beim

Poesiefestival Berlin

Sandra Luzina

Lust an der Sprache verspüren auch die Choreografen. Unter dem Titel „TextTanz“ lädt das Berliner Poesiefestival auch diesmal ins HAU 2 – ein riskantes Experiment. Denn bei der Übersetzung der Wortbewegung in die Bewegung der Körper changiert schon das Gedicht selbst zwischen Sinn und Sinnlichkeit. Chantal Maillard, die 2004 mit dem spanischen Nationalpreis für Poesie ausgezeichnet wurde, schrieb eigens für diesen Abend „El desencanto de Don Quijote“ („Die Entzauberung des Don Quijote“). „An den Rändern des Traums die Augen öffnen. Ohne sie zu öffnen.“ Eine Suchbewegung: Wer ist dieses Ich, das am Ende von sich sagt, dass es seine Waffen verloren hat und seine Rüstung ablegt?

Am liebsten möchte man sich nur in das Poem versenken, dem weichen Klang des Spanischen und der sanft-hypnotischen Stimme der Autorin lauschen und an der Schwelle zwischen Wachen und Träumen verweilen. So lässt sich den Bewegungen des imaginären Ichs nachspüren, von einer Wahrheit zur anderen, immer am Rande der Panik. Die vier Tänzer schälen sich aus dem Halbdunkel – in Putzlappen gehüllt wischen sie über die Bühne. Der Tanz in „Q“ ist brav und watteweich – aber die Ohren sind gespitzt.

Vom Softtanz zur Software. Schemenhaft sieht man einen Mann am Laptop sitzen, der Mastermind des ambitionierten Projekts „delusions“. Die Tänzerinnen Lydia Klement und Emily Fernandez sind in den virtuellen Raum geworfen. Sie rutschen und robben auf Buchstabenströmen, kontern Pixel-Attacken, tanzen an gegen ihr multipliziertes virtuelles Abbild. Fließender Text, zerfließende Identitäten und die Phantome des Programmierers: „Delusions“ driftet selbstverliebt in technologische Spielerei ab. Aber Lydia Klement navigiert heroisch und komisch durch die Datenfluten: eine Suchmaschine am Rande des Absturzes. Schön menschlich.

Noch einmal heute um 20 Uhr

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