Kultur : Süchtig nach Adel

Altmeister bei Sotheby’s und Christie’s in New York

Matthias Thibaut

Der Rekordpreis wurde um drei Millionen verfehlt, aber Sotheby’s Versteigerung des großen, späten Rembrandtporträts von Jakobus, dem Apostel mit den knorrigen, wunderbar gemalten betenden Händen, klappte wie am Schnürchen. Der Preis von 25,8 Millionen Dollar für dieses nicht einfache Bild kann sich sehen lassen. Noch mehr freute Sotheby’s, dass ein „nicht amerikanischer Käufer“ den Zuschlag erhielt. Er war durch einen japanischen Mitarbeiter des Auktionshauses am Telefon vertreten, blieb aber anonym.

Doch immer deutlicher zeichnet sich ab, dass es vor allem das neue Geld aus Asien und Russland ist, das dem Altmeistermarkt Schwung gibt. Es hat sich herumgesprochen, dass man in diesem Segment noch große Kunst zu vernünftigen Preisen haben kann und alles ein bisschen rationaler zugeht als auf dem Contemporary Markt.

Auch mit dem zweiten Rembrandt hatte Sotheby’s keine Schwierigkeiten. Das Porträt der jungen Frau mit der kecken Kappe, geradezu frivol im Vergleich mit dem betenden Jakobus, war auf drei bis vier Millionen Dollar geschätzt und wurde für neun Millionen Dollar verkauft. Was auch mit seiner interessanten Geschichte zu erklären ist: Es gehörte in die Raubkunstsammlung Hermann Görings, wurde aber gleich nach dem Krieg restituiert und galt zeitweise gar nicht als Original Rembrandts.

Der Gesamtumsatz in New York lag nun bei 96 Millionen Dollar für den Prestigeteil der Auktion – fast ein Rekord. Die Signale standen auf Kaufen. Englische Porträtkunst des 18. Jahrhunderts ist plötzlich wieder en vogue: Das Porträt des schmucken Horseguard Grenadiers Robert Shore Milnes unter einem prachtvollen Eichenbaum war auf 1,5 Millionen Dollar geschätzt, doch der Händler Jean-Luc Baroni musste im Auftrag eines Sammlers 7,2 Millionen Dollar bezahlen. Solche Preise wurden zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts erzielt, als Amerikaner süchtig nach englischen Adelsporträts waren. Ein Damenporträt von Joshua Reynolds, abgestoßen vom Toledo Museum Ohio, verdreifachte die Schätzung und brachte 1,4 Millionen Dollar.

Hauptstück des Museumsangebots aus Toledo war eine Verkündigung des El Greco, niedrig geschätzt, weil es sich um die späte, verkleinerte Reprise des Motivs für einen Privatmann handelte – am Ende wurde sie mit 4,2 Millionen teuer verkauft. Ein strenges, neu zugeschriebenes Botticelli-Porträt einer Florentinerin brachte 4,7 Millionen Dollar und die Guardi Vedute der Villa Loredan 8,2 Millionen Dollar. Bedenkt man, dass sie 1989 bei einer Auktion schon einmal fünf Millionen Dollar kostete, sieht man dann doch, dass Begeisterung im Altmeistermarkt immer auch mit Mäßigung einhergeht.

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