Kultur : Südländisch

ECKART SCHWINGER

Einen legendären Ruf hat diese Truppe aus Rom schon seit langem.Mit ihren einstigen Konzertmeistern Felix Ayo, Salvatore Accardo oder Federico Agostini haben die Musici di Roma seit mehr als vierzig Jahren unzählige brillante Konzerte und Schallplattenaufnahmen bestritten.Obwohl einzelne Musiker dieses renommierten Streicherensembles im Laufe der Jahrzehnte ausgewechselt wurden - das kleine, zwölfköpfige Kammerorchester aus der italienischen Kapitale hat seit 1951 eine kontinuierliche Erfolgsserie aufzuweisen.I Musici di Roma sind also nicht zu verwechseln mit I Virtuosi di Roma, die eine solch stolze Kontinuität nicht vorweisen können.

Heute sitzt am ersten Pult des ohne Dirigenten spielenden Ensembles die Violinvirtuosin Mariana Sirbu.Sie sorgt für frischen Wind.Und mit dem Violinkonzert in D-Dur von Locatelli lieferte sie zum Schluß auch die rasanteste Interpretation ab.Ihr Spiel beeindruckte durch ebensoviel Artistik wie Aggressivität.Wohltemperierter und weit weniger beunruhigend prägnant wirkten, trotz aller Eleganz und Eloquenz, die Wiedergaben der Konzerte von Boccherini und Giordani, die von den anderen Solisten aus den eigenen Reihen, nämlich von Vito Paternoster (Violoncello) und von der so vornehm wie filigran musizierenden Cembalistin Maria Teresa Garatti dargeboten wurden.Mit einschmeichelnd-gefühliger Kantabilität, einer hör- und sichtbaren Überlegenheit präsentierte Massimo Paris ein verspielt schelmisches, im Largo schon romantisierend zärtliches Bratschenkonzert nach Alessandro Rolla.Da war allerdings auch seitens des gesamten, auffallend homogen wirkenden Ensembles kein Mangel an einem südländisch beredsamen Wohlklang, an einer so sonoren wie fülligen Klanggestik.Ohne die aufführungspraktischen Fragen verbissen in den Vordergrund zu rücken, die Präzision und Umrißschärfe rabiat auf die Spitze zu treiben, fördern die italienischen Musikanten auf ihren kostbaren alten Instrumenten noch immer einen überaus nuancierten und zugleich erstaunlich strahlkräftigen "Belcanto" zutage.Da kommt kein puristisch unsinnlicher Ton auf, kein Effekt, der sich unangenehm verselbständigt.Was an Klangpoesie, Kontrasten, kapriziösen Figuren und Tonmalereien in dieser Musik steckt, bringen die Musici di Roma mit individueller Ausdruckskraft zum Klingen.Man wird in die farbvolle und bildhafte Intensität des munteren musikalischen Geschehens unweigerlich hineingezogen.

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