Kultur : Südostwärts

Joachim Sartorius zum 65. Geburtstag

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Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Das Mittelmeer, Arabien, die Levante, das ist seine Welt. Sie ist es lange schon. Vor zehn Jahren publizierte Joachim Sartorius einen wunderschönen Band über Alexandria, die Weltstadt der Antike, Metropole des 19. Jahrhunderts. Da fühlt sich ein Kosmopolit zu Hause, über die Epochen hinweg. Dieses Lesebuch, der Heimat der sagenhaften Bibliothek gewidmet, zeigt uns, dass sich die arabischen Befreiungskämpfe gleichsam auf den Grundlagen der westlichen Zivilisation abspielen. Dort liegen unsere kulturellen Wurzeln.

Sartorius ging in Tunesien zur Schule, studierte Rechtswissenschaft und trat 1974 in den diplomatischen Dienst ein. Seine Stationen in Ankara und Nikosia führten ihn wiederum in jene byzantinisch-osmanisch geprägte Welt, wo westliche und östliche Traditionen zusammenfließen. Er hat von 1986 bis 1994 das Künstlerprogramm des DAAD in Berlin geleitet – eine Zeit der großen Künstlerfreundschaften und Kooperationen. Die Graf-Sartorius’sche Wohnung in der Mommsenstraße war ein legendärer, offener Salon, Anlaufpunkt der literarischen Welt, ein mediterraner Hafen im klassischen Berliner Altbau. Man hat da manchmal nicht sagen können, wo die berühmteren und schwereren Köpfe sich befanden, am Büfett oder im Bücherregal.

Inzwischen sind die Bücherkisten und Kunstwerke mit ihrem Besitzer ins Westend umgezogen, und auch beruflich kündigt sich eine Veränderung größerer Art an. Zum Jahresende verlässt Joachim Sartorius die Berliner Festspiele, deren Intendant er seit 2001 ist. Für eine Bilanz dieses Jahrzehnts scheint es noch etwas früh, vor uns liegt eine pralle Saison; gerade erst hat die diesjährige „Märzmusik“ eröffnet. Und bald ist wieder Theatertreffen – im frisch renovierten Festspielhaus.

Sein Buch über die „Prinzeninseln“, jenen sentimental stimmenden Mikrokosmos im Marmarameer, weist den Weg, auf dem wir ihm in Zukunft noch häufiger begegnen werden. Südostwärts, wo der Poet als Archäologe die schönsten Entdeckungen macht. Wer ernsthaft über die Belebung des Humboldt-Forums nachdenken wollte, würde sich an Joachim Sartorius wenden. Er hat die Expertise. Am heutigen Sonnabend feiert er seinen 65. Geburtstag. Rüdiger Schaper

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