Kultur : Süß und klebrig

Pop mit Bruno Mars in der Max-Schmeling-Halle

Jochen Overbeck

Welche Zielgruppe am Donnerstagabend in der Max-Schmeling-Halle erwartet wird, steht schon beim Betreten fest. Linkerhand ist ein Stand mit Bubble Tea positioniert, jenem aus dem asiatischen Raum nach Europa diffundierten Trendgetränk, das so viele Aroma- und Zuckerstoffe enthält, dass es für Menschen über 18 Jahren ungenießbar ist. Über die Musik von Bruno Mars, der mit klassischer Bandbesetzung, MC und drei Bläsern nach Berlin gekommen ist, werden viele Ähnliches sagen. Der Amerikaner, der vor einem Jahr noch die Bühne des kleineren Magnet Clubs an der Oberbaumbrücke bespielte und im letzten Winter sein Debüt „Doo-Wops & Hooligans“ veröffentlichte, ist mit seinen Anliegen ziemlich direkt. Es geht in Songs wie „Just The Way You Are“ oder „Grenade“ um die Liebe, und darum, dass man sich bitte so akzeptieren solle, wie man ist. Das hat Identifikationspotenzial. Manchmal geht es auch um Sex: Dann wird das Licht rötlich, Mars lässt seine Stimme so klingen, wie Satin-Bettwäsche aussieht, und das Publikum übt sich im Schmachten Richtung Bühne oder im Pärchen-Engtanz.

Zugleich wird deutlich, dass man den 25-Jährigen keinesfalls als reines Teenager-Phänomen betrachten darf. Man muss die manchmal etwas plumpen Inszenierungen der Songs gar nicht wegkratzen, auch so erkennt man die Musikalität, die in diesem Produkt steckt. Mars, das ist eben nicht nur einer, der schon mit neun Jahren auf der Bühne den Elvis gab. Das ist auch einer, der alle Genres studierte, der weiß, welcher Ton wann und wo stattzufinden hat. „Money“ von den Beatles in eine geradezu unverschämt fetzige Soul-Version zu übersetzen und in ein Medley mit „Billionaire“, den Hit seines Kumpels Travie McCoy, zu pressen? Klappt. Die hervorragende Soul-Stimme, die viel vom jungen Michael Jackson hat, mal zärteln zu lassen, mal brüllend ins Hallenrund zu schicken? Klappt auch.

Mars ist ein Routinier. Er schrieb in der Vergangenheit nicht nur für Freund McCoy, sondern auch Cee-Lo Greens „Fuck You“, außerdem für Adam Levine, Alexandra Burke, Brandy und die Sugababes. Einen ersten Plattenvertrag unterschrieb er im Alter von 18 Jahren beim legendären Motown-Label. Dass dort nie ein Album herausgebracht wurde, ist die einzige Schramme in seiner bisherigen Laufbahn, sieht man von einer Festname wegen Drogenbesitzes ab. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Konzert mit eineinviertel Stunden etwas knapp ausfällt, und dass sich Mars vielleicht zu oft bei internationalen Pop-Versatzstücke der letzten 50 Jahre bedient. Das Publikum stört sich daran nicht: Die Schlange bei den fliegenden Händlern vor der Halle, die vermutlich nicht ganz legal Shirts und andere Devotionalien feilbieten, ist ungleich länger als jene am Bubble-Tea-Stand. Jochen Overbeck

0 Kommentare

Neuester Kommentar