Kultur : Süße Schwaden

Cristina Moles Kaupp

"Fair is foul and foul is fair" raunte das Hexen-Trio aus "Macbeth" erstmals vor rund 400 Jahren. Nun intrigiert es wieder, allerdings nicht in den Nebeln Schottlands, sondern in jenen süßlichen Schwaden, die über Tanzflächen wabern. Regisseur Klaus Knoesel verlagert Shakespeares Tragödie über Habgier, Neid und Macht in einen Münchner Techno-Club, das Mekka hemmungloser Nachtgestalten, für die alles Glück der Welt in eine Pille passt. Wer hier das Sagen hat, gilt als König des Rave. Als der Boss die Freunde Marcus und Troy zu seiner rechten Hand ernennt, ahnt er nicht, wie viel Missgunst und Machthunger in Marcus und seiner Freundin Lidia schlummern. Viel Blut wird über schweißnasse Körper regnen, das ist gewiss. Und sonst? Die Bilder aus dieser flimmernden Schattenwelt wurden erstmals durch Digitalkameras vom Typ SONY HD 24P 1080 eingefangen, eine kleine Sensation. Sie verarbeiten 24 Bilder pro Sekunde und verkürzen die Postproduktion. So hat "Rave Macbeth" seinen technischen Höhepunkt, der Rest taugt leider nichts. Keine Charaktere: Abziehbilder. Da helfen auch zauberhafte Hexen nicht weiter, die sich als einzige leidlich an Shakespearse Verse klammern.

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