Suhrkamp-Insolvenz : Punkt für Barlach

Wieder eine Volte in der Causa Suhrkamp: Das Landesgericht Frankfurt hat die Ulla und Siegfried Familienstiftung zur Zahlung eines Ordnungsgelds von 250.000 Euro verurteilt - und stellt die Rechtmäßigkeit des Insolvenzverfahrens in Frage.

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Wie geht es weiter mit Suhrkamp? Foto: dpa
Wie geht es weiter mit Suhrkamp?Foto: dpa

Der Suhrkamp-Irrsinn geht weiter, und die Frage ist, ob selbst die Juristen noch so genau wissen, was sie da tun. Juristisches Neuland scheinen sie jedenfalls zu betreten. Am Dienstag hat es wieder eine Urteilsverkündung des Landgerichts Frankfurt gegeben. Demnach muss die Familienstiftung von Suhrkamp-Verlegerin Unseld-Berkéwicz auf Antrag ihres Gegners und Suhrkamp-Minderheitsgesellschafter Hans Barlach ein Ordnungsgeld von 250 000 Euro zahlen, weil sie gegen eine Einstweilige Verfügung verstoßen hat – gegen jene am 19. Juli vom Frankfurter Landgericht erlassene Verfügung, der zufolge die Familienstiftung ihre Gewinnforderung für 2010 und 2011 hätte zurückstellen müssen.

Barlach hatte damals eine Presseerklärung mit den Worten „Suhrkamp vor Insolvenz gerettet“ überschrieben, denn womöglich wäre nach erfolgter Rückstellung seiner Gewinnforderung von 2,2 Millionen Euro und der Rückstellung der Familienstiftungsgewinne eine die Insolvenz begründende Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung nicht mehr gegeben gewesen. Erst die Einforderung dieser Gewinne war der Hebel, um das für Barlach ungünstige Insolvenzverfahren zu beantragen. Das Frankfurter Gericht befand in seiner Begründung im Juli dann auch, dass die Familienstiftung „mit der Fälligstellung ihrer Gewinnforderung nur den Zweck verfolgt, durch die Fortsetzung des Insolvenzrechtlichen Schutzschirmverfahrens (...) die Antragstellerin (also Hans Barlach, die Red.) aus der Gesellschaft zu drängen.“

In Berlin am Amtsgericht Charlottenburg hat man das anders gesehen und das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Anfang August zugelassen – und bei Suhrkamp in den Reihen der Geschäftsführung und der Siegfried und Ulla Familienstiftung sieht man das natürlich auch anders. Gegen die Ordnungsgeldverhängung und die jetzt bestätigte Einstweilige Verfügung, die Gewinne zurückzustellen, wird man wohl Berufung einlegen. Auswirkungen auf das laufende Insolvenzverfahren habe dieses Urteil nicht, so Suhrkamp-Presseleiterin Tanja Postpischil.

In Berlin befindet man so, in Frankfurt so, in Berlin urteilt ein Insolvenzgericht, in Frankfurt eine Handelskammer. Was das für Folgen für den Verlag und seine Zukunft hat? Man weiß es nicht. Sicher ist, dass Hans Barlach nicht gewillt ist, aufzugeben. Er will die Berechtigung des Insolvenzverfahren in Frage stellen. Und so wie er seine Anteile nicht an die Ströhers verkaufen will, wie die „Welt“ berichtet, will Ulla Unseld-Berkéwicz keinen Einstieg von dtv in den Verlag: Laut „Süddeutscher Zeitung“ steht Barlach in engem Kontakt zu einem der dtv-Gesellschafter, der Ganske-Gruppe. Im September geht es in Frankfurt weiter: Das dortige Landgericht will dann einmal mehr die gegenseitigen Ausschlussklagen der Gesellschafter verhandeln.

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