Suhrkamp-Krise : Aktiv und Konstruktiv

Beim Streit um den Suhrkamp Verlag ist kein Ende in Sicht: Hans Barlach kämpft weiter vor Gericht - und hat angeblich Gespräche mit potentiellen Suhrkamp-Investoren geführt.

von
Wie geht es weiter mit Suhrkamp?
Wie geht es weiter mit Suhrkamp?Foto: dpa

Nein, dieser Drops ist noch lange nicht gelutscht, wie das der dem Suhrkamp Verlag fernstehende, gerade arbeitslose Fußballtrainer Felix Magath zu sagen pflegt. Will heißen: die existenzbedrohenden Streitigkeiten zwischen den beiden Suhrkamp-Gesellschaftern dürften auch dann weitergehen, wenn der Verlag in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden ist, ein Vorstand die Geschäfte des Verlages führt und ein Aufsichtsrat sie überwacht.

Hans Barlach, bisheriger Minderheitsgesellschafter des Verlags mit 39 Prozent Anteilen, will keineswegs klein bei- und Ruhe geben, wenn er als zukünftiger „Nur-noch-Aktionär“ seiner Vetorechte als Gesellschafter verlustig gegangen ist. Gleich nachdem das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am vergangenen Mittwoch grünes Licht für den Suhrkamp-Insolvenzplan gegeben hatte, verschickte Barlach eine Mitteilung seiner Medienholding AG, in der er zunächst auf seine Verfassungsbeschwerde gegen die Entscheidung des Berliner Amtgerichts bezüglich des Insolvenzverfahrens hinweist: „Die Bestätigung des Insolvenzverfahrens zeigt, wie unzureichend Gesellschafter, die nicht an der Geschäftsführung beteiligt sind, durch das neue Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) geschützt sind.“ Die Verfassungsbeschwerde Barlachs wendet sich gegen die neue Insolvenzrechtsordnung, natürlich auch deshalb, weil Barlach die nicht ganz von der Hand zu weisende Ansicht vertritt, das Suhrkamp-Insolvenzverfahren sei nur zu dem Zweck eingeleitet worden, seine Mitspracherechte im Verlag entscheidend zu beschneiden. Des Weiteren verweist Barlach in der Mitteilung darauf, dass die bisherige Suhrkamp-Geschäftsführung mit Ulla Unseld-Berkéwicz, Thomas Spaar und Jonathan Landgrebe sich für ihr Amt als „objektiv ungeeignet“ erwiesen habe – und ja schon per Gerichtsurteil ihres Amtes enthoben worden sei; ein Urteil, dessen Bestätigung nach einer Berufung eben jener Geschäftsführung aber noch aussteht.

Wer wird Vorstand der Suhrkamp AG?

Eine Barlach zustehende Beschwerde gegen den jüngsten Beschluss des Amtsgerichtes Charlottenburg, den Insolvenzplan zuzulassen, scheint, wie es Barlachs Anwalt Carl Ulrich Mayer am Freitagabend der Nachrichtenagentur dpa sagte, „aller Voraussicht nach“ sofort eingelegt zu werden: „Wir kämpfen weiter gegen diesen Plan. Er benachteiligt einseitig die Gesellschafter und hätte in dieser Form nicht genehmigt werden dürfen.“

Das kommt nicht überraschend, kostet wieder Zeit, scheint aber wenig erfolgversprechend. Noch interessanter ist die Äußerung Mayers, dass bei einer in Aussicht stehenden Kapitalerhöhung der Suhrkamp AG sich die Medienholding gleichfalls um Investoren bemühe und man in Gesprächen sei: „Das wird ein Angebot sein, das der Vorstand nicht so leicht ablehnen kann. Frau Unseld-Berkéwicz wird damit ihre Aktienmehrheit verlieren.“ Ob Ulla Unseld-Berkéwicz als, wie man hört, potentielle Vorstandsvorsitzende das zulassen würde? Wenn sie es nicht sein wird/darf, wer stellt dann den Vorstand der Suhrkamp-Aktiengesellschaft? Der Aufsichtsrat jedenfalls wird aus den Unseld-Berkéwicz wohlgesonnenen Hans Magnus Enzensberger, Gerhart Baum und Marie Warburg bestehen.

Bislang weiß man nur von dem Sammlerehepaar Ströher, dass es, nachdem es schon Honorarzahlungen für viele Suhrkamp-Autoren während des Insolvenzverfahrens übernommen hat, wohl auch als Aktionär mit in den Verlag einsteigt. Namen interessierter Großinvestoren nannte Mayer nicht; dem Verwaltungsrat der Medienholding gehört jedoch in Zukunft auch der Berliner Unternehmer Dirk Möhrle an, einst Chef der inzwischen insolventen Baumarktkette Max Bahr. Eine „konstruktive und aktive Aktionärsrolle“ übernehmen zu wollen kündigte Barlach vergangene Woche noch an – es klingt wie eine Drohung, den Kampf weniger um den Suhrkamp Verlag als vielmehr gegen Ulla Unseld-Berkéwicz unerbittlich weiterzuführen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben