Suhrkamp-Krise : Das Obstruktionsverbot muss es richten

Suhrkamp: Nach einem Urteil des Frankfurter Landgerichts droht der Insolvenzplan für den Verlag zu scheitern.

von
Wie geht es weiter mit Suhrkamp?
Wie geht es weiter mit Suhrkamp?Foto: dpa

Es scheint fast so, als würde man auch in Frankfurter Justizkreisen dem Suhrkamp Verlag den Umzug nach Berlin 2010 übelnehmen. Während vergangene Woche das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg den Insolvenzplan des Verlags zugelassen hatte, hat nun – auf einen Eilantrag von Hans Barlach hin – das Landgericht Frankfurt der Familienstiftung von Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz untersagt, auf der für Oktober geplanten Gläubigerversammlung dem nicht zuletzt von ihr ausbaldowerten Insolvenzplan zuzustimmen. Zu einseitig sei der Sanierungsplan auf die Belange der Familienstiftung ausgerichtet, so die Kammervorsitzende Claudia Müller-Eising unter anderem.

Dasselbe Gericht unter dem Vorsitz von Müller-Eising hatte bereits vor drei Wochen eine Einstweilige Verfügung dahingehend erlassen, dass die Familienstiftung ihre für die Insolvenz mitentscheidenden Gewinnforderungen aus den Jahren 2010 und 2011 sofort stunde. Die umgehende Vollstreckung dieser Einstweiligen Verfügung war dann vom Oberlandesgericht Frankfurt nach der Berufung der Familienstiftung wieder aufgehoben worden – aber eben nur die sofortige Vollstreckung, nicht die Verfügung an sich. Jetzt hat Suhrkamp-Minderheitsgesellschafter Hans Barlach abermals einen Punktgewinn für sich verbucht, in Frankfurt ist man ihm gewogener als in Berlin.

Aus dem Berliner Suhrkamp-Verlagssitz in der Pappelallee kam umgehend die Mitteilung, dass man in Berufung gehen werde und zuversichtlich sei, den Insolvenzplan, der eine Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft vorsieht, weiterhin umsetzen zu können: „Auch im Falle eines Stimmverbots für die Familienstiftung sehen wir die Planzustimmung nicht als gefährdet an, da wir davon ausgehen, dass in der Mehrheit der Gruppen eine Zustimmung vorliegen wird.“ Aber ob dem wirklich so ist? Wie wirkt sich so ein Urteil, dessen Berufung zwar aussteht, psychologisch auf Autoren, Druckereien, Papierhändler aus?

Bei Suhrkamp und der Familienstiftung hofft man nun auf das sogenannte Obstruktionsverbot, das in der Mitteilung aus der Pappelallee vom Insolvenz-Generalbevollmächtigten des Verlages erklärt wird. Dieses schränke „das Vetorecht einzelner Gläubiger ein, so dass (...) der Insolvenzplan auch dann bestätigt werden kann, wenn eine Gläubigergruppe nicht für den Plan gestimmt hat“.

Der Kampf geht weiter, es wird alles immer komplizierter. Klar aber ist: Ein Selbstläufer sind diese angeblich so geschickt eingefädelte Insolvenz und die Umwandlung des Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben