Kultur : Summen im Chor

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KLASSIK

Vokalmusik a cappella ist eine eigene Welt aus klaren Klängen, die einen ganz ursprünglichen Reiz ausüben. Es mag an schlechten Beispielen mancher unmotivierter Opern- oder Kirchenchöre liegen, dass solche Musik nicht so leicht ihre Hörer findet, wenn sie nicht gerade von den Hilliards präsentiert wird. Die Berliner Singakademie und ihr Leiter Achim Zimmermann führten am Freitag in der Kammerphilharmonie mit einem bunt gemischten, ausschließlich deutschen Programm vor, dass Chorgesang auch in der Tradition des 19. Jahrhunderts ein Erlebnis auf höchstem Niveau sein kann. In drei Madrigalen von Hassler und Schütz wird der Chor in kleiner Besetzung zu einem beweglich agierenden Ensemble, das die Individualität etwa der hell klingenden Tenöre oder der gerade zeichnenden Bässe integriert, aber nicht überdeckt. Während in vier Eichendorff-Vertonungen von Hugo Wolf die Männer des Chors bei aller Expressivität ihre Homogenität bis in schwarze Tiefen bewahren, nutzt die jiddisch-osteuropäisch zubereitete „Tumbalalaika“ des 1996 verstorbenen Gunther Erdmann alle erdenklichen Kontrastwirkungen. Weltschmerztrunkene Dissonanzen, wohliger Summchor und wilde Rhythmen trüben bei den Singakademikern aber noch in größter Besetzung weder präzise Aussprache noch Intonation. Auch die Mischung aus nostalgischem Ton, historischen Stilelementen und unvermittelter Sehnsucht in einigen Volksliedbearbeitungen von Brahms und dem Spandauer Meister Ernst Pepping rufen geradezu nach einem so mächtigen Klang wie dem der Singakademie. Mit hör- und sichtbarem Spaß werfen sich die Sänger und Sängerinnen, kraftvoll unterstützt von Hendrik Heilmann am Klavier, schließlich in Brahms’ Zigeunerliedern die Synkopen zu. Was einem nach solch einem Konzert fehlen kann, ist allenfalls selbst mitzusingen. Felix Losert

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