Sundance-Festival : Für "Indie"-Stars mit Tiefschnee und Tiefgang

Im verschneiten Park City in Utah sollen die Temperaturen auf minus 10 Grad Celsius sinken. Doch auf die etwa 50.000 Besucher des dortigen Sundance Festivals, darunter sonnenverwöhnte Hollywoodstars, warten hitzige Diskussionen, brisante Filme und ein heißer Wettkampf.

San Francisco - Das mit 22 Jahren älteste und größte Festival des unabhängigen Films wird am Donnerstagabend mit "Chicago 10" eröffnet, einer Polit- Dokumentation über Anti-Vietnam-Demonstrationen und eskalierende Proteste am Rand eines Demokraten-Parteitags 1968 in Chicago. Elf Tage später endet das von Robert Redford gegründete Festival von Hollywood unabhängig produzierte Werke mit einem Drama über Aids in New York. Für "Life Support" konnte der schwarze Regisseur Nelson George die Hip Hop-Sängerin Queen Latifah als Hauptdarstellerin gewinnen.

Dazwischen werden den warm vermummten Gästen auf dem Roten Teppich 125 Spiel- und Dokumentarfilme geboten, knapp die Hälfte von Erstlingsregisseuren gedreht. 24 Länder sind vertreten, 80 Streifen feiern in Utah Weltpremiere. In vier Kategorien treten jeweils 16 Filme im Wettbewerb gegeneinander an. Aus Deutschland geht Uli Gaulkes Dokumentation "Comrades in Dreams" über sechs begeisterte Cineasten ins Rennen. Im internationalen Spielfilm-Wettkampf läuft das deutsch-belgische Drama "Khadak" über einen Nomadenjungen in der Mongolei. Der deutsche Regisseur Marco Kreuzpaintner feiert mit seinem Hollywood-Debüt "Trade - Welcome to America" Premiere. Der Thriller dreht sich um den Mädchenhandel zwischen Mexiko und den USA.

Weltweite Konflikte im Visier der Regisseure

Brisante Stoffe, die über die Grenzen der USA hinausgehen, sind bei Sundance diesmal gefragt. "Nach einer Phase mit Filmen über persönliche Probleme und die eigene Nachbarschaft nehmen mehr Regisseure nun die weite Welt mit ihren vielen Konflikten ins Visier", erzählte Festival-Chef Geoffrey Gilmore der "Los Angeles Times". Die Dokumentation "Ghosts of Abu Ghraib" schildert die Misshandlung von inhaftierten Irakern. In dem Drama "Grace is Gone" spielt John Cusack einen Familienvater, dessen Ehefrau im Irak-Krieg ums Leben kommt. Warnte vor einem Jahr der frühere US-Vizepräsident Al Gore mit "An Inconvenient Truth" vor den Gefahren der globalen Erwärmung, so wartet Sundance diesmal mit "Everything's Cool" über kämpferische Umweltschützer auf.

So wie 1989 der damals völlig unbekannte Steven Soderbergh mit seinem Low-Budget-Streifen "Sex, Lügen und Video" über Nacht bekannt wurde, hoffen viele Newcomer in Park City auf ihre große Chance. Einige bringen schon bekannte Namen mit: Zoe Cassavetes, die Tochter von Regisseur John Cassavetes, gibt mit der Liebesgeschichte "Broken English" ihr Regiedebüt. Julie Gavras, die Tochter von Costa Gavras, stellt "Blame it on Fidel" vor. Mitchell Lichtenstein, Sohn des Künstlers Roy Lichtenstein, präsentiert mit "Teeth" ein Drama über sexuelle Gewalt.

Antonio Banderas und Anthony Hopkins stellen Filme vor

Die kanadische Schauspielerin Sarah Polley zeigt ihr erstes Regieprojekt, "Away from Her", über ein an Alzheimer leidendes Ehepaar. Auch Antonio Banderas und Anthony Hopkins sind als Regisseure in Park City zu Gast. Stars wie Lindsay Lohan, Michael Douglas, Sharon Stone, Gwyneth Paltrow und Penélopez Cruz traten für preiswerte Indie-Produktionen vor die Kamera. Die können sich nach der "Entdeckung" bei Sundance als Hit entpuppen, wie es "Little Miss Sunshine" perfekt vorspielte. Die bissige Familienkomödie um eine kleine Schönheitskönigin war 2006 der Publikumshit in Park City. Inzwischen spielte der Debütstreifen der Regisseure Jonathan Dayton und Valerie Faris über 60 Millionen Dollar ein und wird als Oscar- Anwärter gehandelt. (tso/dpa)

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