Kultur : Super Sisyphos

Die George-Tabori-Preise im Maxim-Gorki-Theater.

„Es lohnt sich doch, in Griechenland zu investieren“, meinte der Komponist Ralf Ollertz unter Beifall und Lachen, als er und seine aus Athen stammende Partnerin Toula Limnaios am Donnerstagabend den mit 20 000 Euro dotierten George-Tabori- Preis 2012 im Berliner Maxim-Gorki-Theater entgegennahmen. Vor 15 Jahren hatte die Choreografin Toula Limnaios ihre gleichnamige Tanzcompagnie in Berlin gegründet. Als Fan und langjährige Unterstützerin rühmte die frühere Berliner Kulturpolitikerin und heutige Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler die Compagnie Toula Limnaios für ihre auch international stark beachteten Tanzstücke. Die jüngste Produktion „every single day“, eine Annäherung an den Sisyphos-Mythos und die Energien der „Nievollendung und des ewigen Neubeginns“, erinnerte Kisseler insoweit auch an eigene kulturpolitischen Erfahrungen in Berlin. Den mit 10000 Euro und einem Stipendium des Kulturvereins Mecklenburg im Ostseebad Kühlungsborn verbundenen Tabori-Förderpreis erhielt das Münchner Performance-Ensemble Hunger & Seide von Judith Al Bakri und Jochen Strodthoff, das Münchens Kulturdezernent Hans-Georg Küppers in seiner Laudatio vorstellte. Ausgelobt vom Fonds Darstellende Künste mit Unterstützung der Bundeskulturstiftung, würdigen die beiden Tabori-Preise jeweils herausragende Leistungen der Freien Theater- und Tanzszene. An Tabori selber gemahnte in frei gehaltener Rede die gerade 90 Jahre alt gewordene Berliner Verlegerin Maria Sommer. Sie hatte George Tabori einst nach Deutschland gebracht, nun schlug sie so geistvoll wie geistesgegenwärtig eine Brücke zu Taboris „Theater der Wahrheit“, das mit aller Kunst doch nicht die Kunst, sondern das Leben spiegeln und durchdringen sollte: ein Vorbild für junge Theatermacher heute und morgen. P.v.B.

Toula Limnaios zeigen „every single day“ am 27./31.5. und 1./2.6. in der Halle Tanzbühne Berlin (Eberswalder Str. 10).

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