Kultur : Superman V

FRANK NOACK

Rauhbein-Kino: "Auf der Jagd" mit Wesley Snipes und Tommy Lee JonesVON FRANK NOACKWie sich die Zeiten doch geändert haben! In der legendären TV-Serie "Auf der Flucht" (1963-67) war der unschuldig des Mordes verdächtigte Protagonist noch ein einfacher Durchschnittsbürger, dem es sichtlich Mühe bereitete, der Polizei zu entkommen.In der Kinoversion von 1993 verlieh Harrison Ford dem Part schon heroischere Züge.Nicht heroische, sondern übermenschliche Züge trägt jetzt der Held der Fortsetzung, die statt "Auf der Jagd" ebensogut "Superman V" heißen könnte.Mark Roberts (Wesley Snipes) ist zwar auf den ersten Blick ein braver kleiner Mechaniker, der einer Anklage wegen Doppelmordes völlig hilflos gegenübersteht.Doch bald stellt sich heraus, daß er für den Geheimdienst arbeitet und aus strategischen Gründen geopfert werden sollte.Um seine technische Ausrüstung könnte ihn James Bond beneiden.Mark Roberts weiß alles und sieht alles.Die Polizei, die ihn quer durch die USA verfolgt, ist ihm hoffnungslos unterlegen.Ein wenig leidet die Spannung darunter, daß der Zuschauer sich folglich um Mark Roberts keine Sorgen zu machen braucht.Das scheint allerdings Absicht und kein Unvermögen zu sein, denn mehr noch als der deutsche Titel "Auf der Jagd" suggeriert der Originaltitel "U.S.Marshals" einen Perspektivwechsel.Im Mittelpunkt steht nicht mehr der unschuldig Verdächtigte, sondern sein Jäger, U.S.Marshal Sam Gerard.Tommy Lee Jones, der für dieselbe Rolle in "Auf der Flucht" einen Oscar erhalten hatte, gibt auch hier wieder das Rauhbein mit Herz, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Gefühl.Ausführlich und aufmerksam schildert der Film die polizeilichen Ermittlungen, die behindert werden durch Kompetenzstreitigkeiten und Beziehungsprobleme.Dabei besitzt der Regisseur Stuart Baird die seltene Gabe, Schauplätze zu etablieren und Übersicht zu schaffen, so daß man sich beim Blick auf die Leinwand in Chicago und New York ebenso zuhause fühlt wie in den Sumpfgebieten von Tennessee.Die überraschendste Qualität des Films ist die Gestaltung einer im Prinzip undankbaren Rolle: Irène Jacob verkörpert die Freundin des Gejagten und hat eigentlich nicht viel zu tun: sie sorgt sich um ihren Geliebten, wartet, befolgt Anweisungen.Doch Jacobs Spiel ist intelligent, witzig und verführerisch; man kann ihr zu diesem Ausflug nach Hollywood nur gratulieren.Einen unangenehmen Beigeschmack hat die Kombination Snipes-Jacob dennoch: "Auf der Jagd" ist nach "One Night Stand" der zweite Film, in dem Wesley Snipes eine weiße Frau liebt, und beide Male wurde ihm eine Europäerin zur Seite gestellt.Amerika bleibt sauber.In dieser Hinsicht immerhin hat sich seit Jahrzehnten nicht viel geändert. In 14 Berliner Kinos, Originalversion im Kino Kurbel 1

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