Kultur : Superpaar

Zwei Stündchen müssen wir uns schon gedulden, bis Rafael und Ruby als Superpaar durch den Ballsaal wirbeln. Rafael nämlich ist Kubaner, gerade ins Land seiner Träume eingewandert, wo er im Latino-Tanzclub eines Verwandten als "Junge für alles" Fenster putzt und Kostümparties dekoriert. Und während die reiferen Damen im "Excelsior" den feurigen Rafael mit fraulichem Charme umgurren, zeigt ihm ausgerechnet die schöne Tanzlehrerin Ruby (Vanessa Williams) die kalte Schulter. Verklemmt, leistungsbesessen und bar jeder sinnlichen Empfindung rackert sich das arme Biest nach oben, selbst ihr Tanztraining macht sie ohne Musik. So etwas kann ein Kubaner nicht ertragen. Man weiß, wie solche Filme weitergehen. Aber den Plot weiter vorzuflüstern, wäre dumm und destruktiv. Schlauer schon, das Gehirn abzuschalten, sich zurückzulehnen und bei Latino-Star Chayannes Lächelcharme davonzuschmelzen. Oder sich den schönbunten romantischen Dekorationen hinzugeben, hinter denen immer das Pappmaché hervorblitzt. Schade, daß Randa Haines, die bei uns mit dem Taubstummenmelodram "Gottes verlassene Kinder" bekannt geworden ist, den Weg zum Parodistischen dann doch nicht bis zum Ende geht. Nur Chayanne setzt sich mit einem gehörigen Schuß clownesker Selbstironie als Jackie Chan der Latino-Welt in Szene. Selbstverständlich steht auch hier am Ende ein Tanzturnier. Irgendwann wird das schon ein bißchen lang, siehe Anfang. Denn das Gemeine bei Tanzfilmen ist ja, daß wir die ganze Zeit stillsitzen müssen, während da oben das Leben wirbelt. Also einfach gehen, es passiert nichts Wesentliches mehr.

Cinemaxx Potsdamer Platz, Cinestar Hellersdorf, Kosmos, Filmbühne Wien, Zoo Palast

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