Kultur : Switch!

Peter Herbstreuth

folgt Austauschprojekten von Berliner Galerien Das Wort Gallery-Switch führte die Berliner Galerie Contemporary Fine Arts 1998 ein, als sie bei der Londoner Kollegin Sadie Coles ausstellte und diese die Berliner Galerie bespielte. Das brachte Vorteile. Coles zeigte Fotografien von Gregor Schneider, der drei Jahre später den goldenen Löwen für den besten Pavillon in Venedig bekam. Ohne Switch hätte mancher in Berlin vielleicht gar nicht erfahren, um wen es sich handelt. Seither switched es öfter. Mittlerweile haben auch Botschaften den Galerienaustausch als Werbeplattform entdeckt. Seit gestern stellen vier Händler aus Toronto in den Galerien Abel , Jette Rudolph , Koch & Kesslau , Loop aus (bis 11. Juni). Die kanadische Botschaft hilft und dämpft die Kosten. Kanada ist das Land von Jeff Wall, Rodney Graham und Cardiff/Miller: konzeptuelle Fotografie, kalkulierte Videos, kodierte Kultur. Die Galerien Pari Nadimi, Luft, Greener Pastures und Robert Birch präsentieren Gegenbilder: Ungeheuer aus dem Schlaf der Konzepte. Jason Mclean zeigt bei Abel fantasievoll verspielte Porträts, in denen Menschen wie Gärten aussehen. Mark Delong lässt daneben auf seinen Zeichnungen menschliche Totenköpfe neben Eiern schwimmen (Sophienstraße 18). Bei Jette Rudolph hängen riesenbrüstige Monster von Derek Mainella , ebenso Schädel in Spinnennetzen auf Papier von Jennifer Murphy (Hannoversche Straße 4; Eröffnung heute 18 Uhr). Koch & Kesslau öffnete ein letztes Mal den Raum. Der Künstlergalerist Andreas Koch will zukünftig nur noch als Künstler arbeiten und sagt mit Kanada on his mind „Adieu“ (Weinbergsweg 3). Er stellt gleichzeitig neben einer Gruppe kanadischer Künstler bei loop aus (Köpenicker Straße 16; Eröffnung heute 20 Uhr): ein kluger Switch.

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Einen Austausch anderer Art gab es in der Grisebach Gallery . Nach nur zwei Ausstellungen hat die Leitung gewechselt. Gründungsdirektorin Harriet Häußler eröffnete die Galerie upstairs in der Holzmarktstraße, und Edzard Brahms, einst Kopartner von Mehdi Chouakri, übernahm die Direktion im Testfeld „Junge Generation“. Seine Eröffnungsschau zeigt Zwischenformen als kuratorisches Halbtonspiel mit drei Künstlern in drei Räumen (Fasanenstraße 25; bis 21. Mai). Der 1970 geborene Matthew Burbidge inszeniert ausufernde Material-Arrangements aus Restholz und mechanischen Geräten, feiert die Wucherungen wie ein rasender Bastler und hält sie keck unfertig (je 500 Euro). So bleibt alles eine heiße Metamorphose aus Tinguely und Schwitters. Dagegen wirkt die Präsentation der 1962 geborenen Regina Möller professionell abgeklärt. Sie unterhält das Modelabel „Embodiment“, schneidert Kleider, entwirft skulpturale Prototypen, gibt die Zeitschrift „regina“ heraus und hat den besten Raum eingerichtet. In einer abgedunkelten Boutique leuchten drei Kleidungsstücke kostbar wie Edelfetzen. Dabei verschleiern Wendemantel und Wickelrock sich etwas übertrieben mit Bedeutung und rufen die Idee von Haut als letzte Hülle wach (Preise von 8000 Euro bis 10000 Euro). Die Kleinpavillons des berühmtesten Künstlers der Schau, Stephen Craig , über Architektur und Modell (Preise von 12000 Euro bis 32000 Euro) bleiben dagegen fahl. Wie bei den meisten Trios spielt eben einer den Puffer.

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