Syrische Künstler sprechen über Leben in der Fremde : Weißes Meer

Der syrische Bürgerkrieg hat Millionen Menschen heimatlos gemacht, darunter auch viele Künstler. Im Literarischen Colloquium Berlin sprechen syrische Schriftsteller und Filmemacher über ihre Heimat.

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Foto von Rasha Abbas
Rasha Abbas spricht als eine von vier geflohenen syrischen Kulturschaffenden über ihr Land und ihre neue Existenz.Foto: Privat

Im Arabischen und im Türkischen wird das Mittelmeer das „weiße Meer“ genannt. An seinen Ufern, in seinem Hinterland ist einmal all das entstanden, was wir als westliche Zivilisation begreifen: die Stadt, die Schrift, die Religion, die Wissenschaft, die Kunst. Und jetzt muss man den furchtbaren Eindruck bekommen, dass all dies eben dort vernichtet werden soll – im Irak und im syrischen Bürgerkrieg, der längst auf die Nachbarländer übergegriffen und Millionen Menschen heimatlos gemacht hat.

Am 5. November versammeln sich im Literarischen Colloquium Berlin syrische Schriftsteller und Filmemacher. Amer Matar, Rasha Abbas, Rosa Yassin Hassan und Yamen Hussein wollen über ihr Land sprechen, das sie verlassen mussten, über ihre neue Existenz. Sie leben in der Fremde. Mit ihnen diskutiert der Franzose Mathias Énard, der in seinem Roman „Zone“ die Schrecklichkeiten des 20. Jahrhunderts versammelt hat, ein Bestiarium der Möglichkeiten menschlicher Grausamkeit.

Das LCB und die Allianz Kulturstiftung richten das Treffen aus. Es gehört zur Reihe „Das weiße Meer“, man war schon in Triest, Tirana und Alexandria, um die Literaturen rund ums Mittelmeer zu erkunden. Nach Damaskus oder Aleppo zu reisen ist unmöglich. Also liegt einen Abend lang das Mittelmeer am Wannsee.

Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, sie kann auf Twitter (#syrwhitesea), Facebook und auf der Website www.dasweissemeer.eu live verfolgt werden. Besser aber ist es, den syrischen Autorinnen und Autoren das Gefühl zu geben, dass ihre Geschichten hier nicht ungehört verhallen. Eine Fahrt zum LCB ist immer ein schöner Ausflug. Auch wenn am Ende der Strecke Bilder und Erzählungen aus einem Krieg warten, der in den Medien mit so viel Schauplätzen von Gewalt und Elend konkurrieren muss. Das „weiße Meer“, ein Ort der Sehnsucht für die Nordeuropäer. Wie groß muss die Sehnsucht jener Menschen sein, die von dort geflohen sind?

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