Kultur : Szenen einer Leere

Eine Ausstellung im Schloss Sacrow bei Potsdam stellt sich der Macht der Räume

Michael Zajonz

Mit Ausstellungen verhält es sich manchmal wie mit Neugeborenen. Schnell muss ein Name her, ohne Garantie, dass er später noch passen wird. „Die Räume der Macht/Die Macht der Räume“ taufte die Kuratorin Celia Isabel Gaissert eine Ausstellung, die aktuelle Werke von 13 meist jüngeren Künstlern im Schloss Sacrow präsentiert. Doch was da in der märkischen Oase zwischen Kladow und Potsdam geboten wird, gibt sich nun, im ausgewachsenen Zustand, weder besonders pathetisch noch irgendwie esoterisch. Die Kraft der Sacrower Räume liegt am ehesten in ihrer poetischen Diesseitigkeit.

Dabei kann dem 1773 erbauten Gutshaus ein gewisser Gruselfaktor nicht abgesprochen werden. Im Windschatten der Mauer quartierte sich hier zu DDR-Zeiten eine Ausbildungsstätte für Spürhunde der Grenztruppen ein. 1993 übernahm die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das völlig heruntergekommene Anwesen. Im Park ist seither einiges rekonstruiert worden, die Herrichtung des Hauses kam jedoch über partielle Reparaturen nicht hinaus.

An eines der Optimismus verbreitenden Propagandatransparente erinnert die Fassadenarbeit des Mexikaners Gabriel Hermida. Ein blaues Schriftband zieht sich auf halber Höhe um den brüchigen Verputz. Doch es verspricht keine blühenden Landschaften, sondern zitiert den mexikanischen Philosophen Samuel Ramos: „Kunst kann nur als nutzlos bezeichnet werden, wenn das Leben in unserer Wahrnehmung auf den engen Rahmen der praktischen Interessen reduziert wird.“

Pragmatische Beschränkungen gelockert zu haben, darin besteht auch das Verdienst der klug konzipierten Schau. Der Bürgerverein „Ars Sacrow“ ermöglichte sie mit viel Improvisation. Unter diesen Bedingungen erstaunt, wie präzise sich die Arbeiten in die Räume fügen. Etwa Salah Saoulis Installation „Besessenheit“ im Speisesaal. Der in Berlin lebende Libanese zeichnete mittelalterlich-christliche Folterszenen auf transparente Folien, die, zu schimmernden Stelen gerollt, sanft schaukelnd von der Decke baumeln.

Korrespondenz und Distanz: Die Fotos David Adams wie die Video-Foto-Arbeit von Nina Fischer und Maroan el Sani offenbaren beides. Adam, der selbst 1989 im Zuchthaus Bautzen inhaftiert war, traf zehn Jahre später auf eine artifiziell inszenierte DDR-Vergangenheit. Fischer und el Sani dokumentieren die Asbestsanierung des Palasts der Republik. Die altersfirnen Ölanstriche und Blümchentapeten, vor denen beide Arbeiten platziert sind, suggerieren Vergleichbarkeit. Umso schärfer wirkt die Einzigartigkeit jedes einzelnen Ortes. Denn die Räume der Macht sind so verschieden wie ihr konkreter Gebrauch.

Bis 7. 9., geöffnet nur Sa/So 12-18 Uhr. Weitere Informationen: www.ars-sacrow.de

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