Kultur : Ta-ta-ta-taaa

MICHAEL NUNGESSER

Jeder kennt sie, jeder hat sie im Ohr: die Anfangsakkorde von Beethovens 5.Symphonie.Jetzt hat man sie auch vor Augen, und zwar auf den Bildern von Victor Mira.Der 1949 in Zaragoza geborene Maler, seit vielen Jahren in Barcelona und in der Nähe von München lebend, besitzt eine enge Affinität zur Musik.Er illustriert sie nicht.Er findet in ihr Anregung zu spielerisch-abstrakten Metaphern.Zwar taucht Beethovens einprägsam-einleitendes Ta-ta-ta-taaa wiederholt als grafisches Kürzel auf, notenähnlich und tropfenartig, vereinzelt oder in fließender Folge, aber es steht geisterhaft auf abstrakten, leuchtenden Untergründen.

Die großen Gemälde der Serie zur 5.Symphonie (zwischen 30 000 DM und 90 000 DM) werden von zwei Farben beherrscht, Goldgelb und Blutrot.Es sind, dies sicher auch, die Nationalfarben Spaniens, vor allem aber sind es laute, heftige Farben, wie Fanfarenstöße.Sie verleihen Beethovens Pathos etwas Freudiges und Glutvolles.Sie bilden den Malgrund, auf dem sich Noten-Tropfen wie zarte, zittrige Perlenketten aneinanderreihen.In den kleineren Arbeiten (5800 DM), Farbkompositionen aus Gelb, Rot, Schwarz und Weiß, treten die klingenden Bildzeichen optisch stärker hervor.Eine Nähe zu Kalligraphischem und Fernöstlichem klingt hier an.

Auch Poesie, Phantasie und Humor spielen eine große Rolle, etwa wenn die Noten sich in Kirschen verwandeln, wenn in "Beethoven und die Kunst des Radelns" der Sattel des Fahrrades sich notenartig vervielfältigt und zu einer Mondsichel wird, oder wenn in "Anti-Held und 5.Symphonie" eine puppenhafte Silhouette aus Sand-Kiesel-Gemisch auf Maschendraht und Tuch alle Viere von sich streckt.Hier wird der Bogen zur zweiten Bilderserie geschlagen, die den "Peteneras" gewidmet ist.Dies sind dem Flamenco ähnliche andalusische Tanzlieder, deren bilderreiche Sprache nicht zuletzt auch die Gedichte von Garcia Lorca inspiriert hat.

Mira arbeitet in seinen "Peteneras" meist mit Mischtechnik und Collage (5800 DM).Er malt auf Hemdenstoff und Pappe, bezieht Stoffmuster und Texte mit ein ("Mond, der sich in einem Eimer mit Wasser spiegelt") und verbildlicht in surreal-ironischen Objektzusammenstellungen ("Leiter in zwei Eimern mit Wasser") menschliche Haltungen und Situationen.Es geht um Einfaches, Alltägliches, es geht um den Blues - nicht zufällig ist Blau die dominante Farbe in den "Peteneras".Hier Volkslied, dort Symphonie, hier die kleine, dort die große Form - für Mira sind dies keine gegensätzlichen, sich ausschließende Welten, allenfalls zwei verschiedene Gefühlslagen: Nun denn, seine Bilder laden ein zum Wechselbad der Gefühle.

Galerie Michael Schultz, Mommsenstraße 34, bis 12.Januar; Dienstag bis Freitag 14-19 Uhr, Sonnabend 10-14 Uhr, 24.-28.12.und 31.12./ 1.1.geschlossen.

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