• Tägliche Serie, Folge 6: Kulturcheck - ein Londoner testet Berlin, heute: Mit Bach und Krach

Tägliche Serie, Folge 6 : Kulturcheck - ein Londoner testet Berlin, heute: Mit Bach und Krach

Das Berlin-Experiment: Der Londoner Journalist Mark Espiner ist zwei Wochen beim Tagesspiegel zu Gast und bespricht online jeden Tag Berliner Kulturereignisse. Diesmal hört er Schönes und Erschreckendes.

Mark Espiner
Espiner
Mark Espiner testet die Berliner Kultur. Der Londoner Journalist schreibt unter anderem für den Guardian.Foto: Thilo Rückeis

Der Bahnhof Zoo ist ein bisschen berühmt über Berlin hinaus. Sogar so weit weg wie in London. Er war der Hauptschauplatz des Christiane-F.-Films, einem der wenigen deutschen Filme, der sich wirklich bis zu den Engländern herumsprach. "Das Leben der Anderen", "Knallhart" und der "Baader-Meinhof-Komplex" sind weitere Filme aus der letzten Zeit, die von den Zuschauern in Großbritannien gut angenommen wurden und vielleicht eine Renaissance des deutschen Films begründen.

Wie auch immer, ich kam am Zoo an, dachte an Christiane F. und versuchte, die Schauplätze zu finden. Es sah nicht aus wie im Film (natürlich nicht, das war vor Jahrzehnten). Aber ich fragte mich, warum es damals so ein Heroin-Problem in der Stadt gab. Kann mir das jemand erklären? Und gibt es das Problem noch im selben Ausmaß? Und was macht Christiane F.?

Beruhigung - und dann fast eine Herzattacke

Ich war auf dem Weg zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, um ein bisschen Bach zu hören. Was würden wir tun ohne Bach? Ich mag guten alten harten Gitarrenrock, doch sogar ich finde etwas Magisches in Bachs Musik. Das Konzert war kurz und ein Genuss. Nur die Kantate Nr. 132 "Bereitet die Wege, bereitet die Bahn!" und in der modernen Kirche neben der ausgebombten Ruine hatte es einen besänftigenden Effekt. So besänftigend, dass es ein bisschen wie ein Schlaflied wirkte auf mich. Nach fünf Tagen harter Kultur, unterwegs auf dem Berliner Pflaster und dem Genuss von mehr Würsten, als vernünftige Leute in einem Jahr essen sollten, legte Johann Sebastian seine beruhigende Hand auf meine Schulter und ließ mich rasten. Danke Sabine für den Tipp.

Ich kam aus der Kirche in einer Wolke von Musik - und bekam fast eine Herzattacke. Keine Sorge, das war kein Wurst-Effekt. Nein, ich dachte, ganz in der Nähe sei eine Bombe explodiert. Nach all den Jahren IRA und nun Al-Qaida in London bin ich immer ein bisschen auf der Hut vor einem Anschlag. Ich denke, Sie hier in Berlin haben dieses Gefühl nicht so oft. Der Krach kam allerdings von oben und ich blickte hinauf in ein umwerfendes Feuerwerk. Das war sehr schön im Kontrast zur Ruine und über dem Weihnachtsmarkt. Es gibt nichts schöneres als Feuerwerk, um sich ganz einfach zu freuen. Um mich zu beruhigen, gönnte ich mir eine Tasse eines starken heißen Getränks an einem Stand, an dem sie Rum über ein riesiges Stück Zucker in eine große Schüssel Wein gossen und dann anzündeten. Anerkennung für Sie hier in Deutschland für Ihre einfallsreichen Ideen im Umgang mit Alkohol! Und mit Wurst..

Lecker lernen

Jessica hat mir eine Email geschickt mit dem Betreff "blutwurstbruder" und empfahl mir, zur Blutwurstmanufaktur in Neukölln zu fahren. Was für ein Tipp! Fleischermeister Marcus Benser macht mehr als 60 Wurstsorten von Hand - und gab mir heiße Blutwurst mit Sauerkraut. Ich habe nun das Wort "lecker" gelernt und wende es auf diese Wurst an. Sie war heimelig, voll im Geschmack und stärkte mich ein bisschen wie das Bach-Konzert.

Danke an CCTV (großartiger Name!), brenda und andere für Ihre Kommentare und Sorgen um meine Gesundheit! Ich sollte Ihren Rat befolgen und eine vegetarische Wurst essen. Weiß irgendjemand, wo ich eine gute bekommen kann? Bitte schreiben Sie Kommentare unter dieses Stück - darüber und über alles andere, was Ihnen so einfällt.

Aus dem Englischen übersetzt von Markus Hesselmann.

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