Kultur : Tagediebe im Central Park

„Ich bin nicht Rappaport“ im Renaissance-Theater

Christine Wahl

Man kann das Alter verbiestert im Fernsehsessel fristen und die Rente (noch) in Drogen oder anderweitige Genussmittel umsetzen. Man kann aber auch eine ehrenamtliche Zweitkarriere starten und von der Parkbank aus die Welt retten. Diese strahlende Perspektive zeigt jedenfalls Herb Gardners viel gespielte Komödie „Ich bin nicht Rappaport“ auf, die Wolf-Dietrich Sprenger jetzt im Renaissance-Theater inszeniert hat. Dort trifft der alte Nat, der sich fast stündlich eine neue Biografie zurechtfantasiert, auf den eher pragmatisch veranlagten Hausmeister Midge. Beide verbringen den Großteil ihrer Tage – Midge ist bereits zum Nachtschichtler degradiert worden – im New Yorker Central Park auf benachbarten Bänken.

Dabei wird jeder ein bisschen ins Leben des anderen hineingezogen. Es wird Schutzgelderpressern, Drogendealern und kaltschnäuzigen Arbeitgebern zu Leibe gerückt sowie ein „Dozent für die Kunst der Kommunikation“ in seine verbalen Schranken verwiesen. Die Strategie: skrupellose Hochstapelei zum guten Zweck. Nat gibt sich je nach Lage der Dinge als Anwalt, Gewerkschafter oder Drogenboss aus. Die Lektion, die der Dramatiker am Ende vorgesehen hat – mit ein bisschen Selbstbetrug lebt es sich besser – ist natürlich alles andere als revolutionär.

Trotzdem: „Ich bin nicht Rappaport“ ist ein charmanter Abend. Weil Herb Gardner sein Handwerk beherrscht und uns nicht wirklich weismachen will, die Welt sei mit ein bisschen Spinnerei aus den Angeln zu heben. Und weil Peter Striebeck (Nat) und Ralf Schermuly (Midge) einfach gute Schauspieler sind. Schauspieler, die nicht grimassierend auf die Tube drücken, sondern mit Lust und feinem Nerv für Komik alle Facetten des Gardner’schen Seniorendaseins ausloten.

Dafür hätte man sich freilich auch eine Ausstattung gewünscht, die nicht im Fernsehstudiorealismus stecken bleibt: Achim Römer hat zwei Parkbänke auf die Bühne gestellt, drumherum Herbstlaub verstreut und dahinter die New Yorker Skyline projiziert.

Wieder am 13., 14., 16., 17., 21.-24. und 28.-30. Juni, jeweils 20 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar