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Die Briefe der Anderen

Mandela und sein Gefängniswärter: Bille Augusts Polit-Rührstück „Goodbye Bafana“
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James Gregory (Joseph Fiennes) trägt die Blechdose in der Brusttasche seiner Uniform direkt über dem Herzen. Darin befindet sich eine Hasenpfote, die der weiße Gefängniswärter in Kindertagen von seinem schwarzen Spielgefährten als Talisman bekam. Darunter liegt ein zusammengefaltetes Dokument mit einem großen roten Stempel: die Freiheitscharta des ANC. Wenn James allein im Büro ist, kramt er es heraus und studiert es mit nervösen Blicken. Die mimischen Anstrengungen von Joseph Fiennes und die anschwellende Musik signalisieren, dass die Worte in Gregorys Kopf einen ungeheuerlichen Bewusstseinsprozess in Gang setzen.

Mit „Goodbye Bafana“ erzählt Bille August eine klassische Bekehrungsstory von der Versöhnung zwischen Schwarz und Weiß in Südafrika. 1968 wird James Gregory mit seiner Familie auf die Gefängnisinsel Robben Island versetzt und ist fortan für die Briefzensur und Überwachung der politischen Häftlinge zuständig – auch für Nelson Mandela. Unter dem Einfluss des charismatischen Gefangenen entwickelt sich der rassistische Wärter zum Gegner der Apartheid und begleitet den prominenten Gefangenen Ende der Achtziger auf seinem schrittweisen Weg in die Freiheit. Mandela ist eine der letzten konsensfähigen politischen Ikonen unserer Zeit: Die Last der Verantwortung für die historische Figur ist dem Film deutlich anzumerken. Der narrative Umweg, den der dänische Regisseur anstelle eines simplen Biopics wählt, erweist sich dabei als Verhängnis. Eine brave Stationendramaturgie fädelt die Erweckungserlebnisse aneinander, um die weiße Identifikationsfigur zügig auf die Seite der Gerechtigkeit zu ziehen. Mandela wiederum (Dennis Haysbert mit sonorer, weihnachtsmännischer Aura) verhält sich allzeit so, wie man es von einem zukünftigen Friedensnobelpreisträger erwartet.

Das ist nicht nur langweilig, sondern auch unwahrscheinlich. August hat sich an den umstrittenen Memoiren von James Gregory orientiert, von denen Mandela-Biograf Anthony Sampson vermutet, dass viele seiner Berichte „halluziniert“ seien. Diese Widersprüche machen neugierig: auf einen Film, der das Abhängigkeitsverhältnis von Gefangenem und Wärter ungeschönt ausleuchtet. Aber August menschelt in seinem Rührstück alle potenziellen Konflikte unter den Teppich und schwört sich auf den Versöhnungsgedanken ein, ohne zu zeigen, was es denn zu vergeben gäbe.

In 7 Berliner Kinos. OmU Hackesche Höfe, OV Cinestar Sonycenter
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