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Was machen wir heute?

Mit Chips wrestlen

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Aus den USA ist – das muss man mal ganz offen sagen – in der Vergangenheit viel Schlechtes zu uns gekommen. Die Finanzkrise natürlich, das zwanghafte Entfernen von Achsel- und Beinhaaren und die Wrestling Chipz.

Wrestling Chipz haben sich an den Schulen wie eine Seuche ausgebreitet – auch in Berlin. Sie sehen aus wie Jetons beim Roulette, sind etwa fünfmarkstückgroß. Bedruckt sind die Plastikmünzen mit den Gesichtern von berühmten amerikanischen Wrestlern und Wrestlerinnen wie Jeff Hardy oder Triple H. Das Spiel funktioniert ungefähr so: Man schleudert seinen Chip auf den des Gegners, und je nachdem, wie die Chips fallen, hat man einen Chip gewonnen oder seinen Chip verloren.

Wenn man seinen Chip los ist, hat man rund 50 Cents verloren. Denn eine Viererpackung kostet knapp zwei Euro. Faktisch sind die Verluste aber höher, weil Wrestling Chipz in Berlin wochenlang ausverkauft waren. Die Chips gab es nur noch im Internet oder auf dem Schwarzmarkt. Der Schwarzmarkt fand praktischerweise gleich auf dem Schulhof statt – zu horrenden Preisen. Die größeren Kinder haben den kleineren bis zu fünf Euro für vier Chips abgeknöpft, und die Eltern haben sich gewundert, wo das Taschengeld bleibt.

Der Mathelehrer in der Klasse meiner Tochter hat daraufhin eine Unterrichtsstunde zum Thema Wrestling Chipz veranstaltet. Er hat den Schülern erklärt, dass nicht die Großen die Kleinen abzocken, sondern die Schlauen die Doofen. Er hat die Kinder ausrechnen lassen, wie viel sie für ihre Chips zahlen müssen, wenn sie bei den Dealern aus der fünften oder sechsten Klasse kaufen, was die Ware im Internet kostet und wie viel im Laden. Und die Kinder haben begriffen, wofür Mathe gut ist.

So ist das Leben: Manchmal wendet sich Schlechtes zum Guten. Vielleicht wird das eines Tages bei der Finanzkrise auch so sein. In Fragen der Körperrasur bin ich dagegen skeptisch. Heike Jahberg

Wrestling Chipz gibt es inzwischen auch wieder in einigen Läden, etwa bei Karstadt.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.11.2008)
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