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Was machen wir heute?

Zum Teufel gehen

Wie ein Westberliner die Stadt erleben kann
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Für mich ist der Teufelsberg mit einer merkwürdigen Erinnerung verbunden: Mein Vater fuhr einst mit mir und seinem schwankenden Opel nur so zum Spaß hinauf. Wir kurvten auf schmalen und schrägen Schotterwegen, ich durfte als Kind auch mal lenken, es war abenteuerlich und alles andere als legal. Aber oben hatten wir einen tollen Blick auf die Stadt. Andere Privatautos fuhren auch hoch, zwischendurch luden Lastwagen Müll ab. Das war in den sechziger Jahren, bevor der Berg bepflanzt wurde.

Ich war später oft oben, es sah schöner aus als jetzt. Gerade erst stieg ich mit meiner Frau hoch, sie fluchte, weil ich den steilsten Aufstieg wählte. Ich sah es als Konditionstraining, sie verdrehte die Augen. Oben, 115 Meter hoch, wehte eine steife Brise, wir freuten uns mit vielen anderen an Drachen und Gleitschirmfliegern und dem großartigen Teufelgebirgsblick. Wir stiegen auf steil-steinigem Weg wieder ab, kamen am beliebten Kletterfelsen des Alpenvereins vorbei, an wilden Schluchten. Aber meine Frau fing an, sich wirklich zu gruseln, als wir dem anderen Teil des Teufelsbergs näher kamen, wo die alte Abhörstation steht. Die zerfledderten Fassadenplanen der Ruine knatterten im Wind, es klang, als ob der Teufel selbst dort oben sein Lied anstimmte.

Touristen fragten uns, ob man da hoch könne und was das alles bedeute. Ich schämte mich für Berlin. Dieses ewige Hin und Her wegen seltsamer Baupläne, die doch nichts werden! Soll der ganze Kram da oben wirklich zum Teufel gehen, schimpfte ich. Warum nicht endlich renaturieren, wie es das Naturschutzzentrum Ökowerk fordert? Am Teufelssee zu Fuße des Bergs machten wir dann Halt und genossen sogar noch im Freien bei Kaffee und Kuchen das Kontrastprogramm zum vorigen Gruseln. Christian van Lessen

Am Sonntag, 6. Dezember, veranstaltet das Ökowerk, Teufelsseechaussee 22-24, von 11.30 bis 15.30 Uhr eine „Weihnachtswerkstatt“, in der unter anderem wunderliche Geschenkverpackungen gebastelt werden können. Ach, ließe sich doch auch die Bergruine verpacken und auf den Mond schießen.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.12.2009)
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Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von zeitzeugee zeitzeugee ist gerade offline | 30.11.2009 21:58 Uhr
Radarstation erhalten!
Die Abhöranlage auf dem Teufelsberg ist ein wichtiger Teil der Berliner Geschichte und muss erhalten werden!Die Amerikaner und viele Berliner Organisationen haben eine Aktion zum Erhalt gestartet!Siehe www.fsbvg.org...dann save Teufelsberg!Petition unterschreiben!
Comment
von cz284 cz284 ist gerade offline | 2.12.2009 22:39 Uhr
Ein Ort unserer Identität.
Der Teufelsberg ist ein wichtiger (West)-Berliner Traditionsort, der so erhalten werden sollte.
Zwar war es auch ein Sperrgebiet, vermittelte aber der Berliner Bevölkerung Sicherheit unter dem Schirm der Ami's.

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