Kultur : Take That

Diese Woche auf Platz 43 mit: „Beautiful World“

Ralph Geisenhanslüke

Einer fehlt. Aber wohl nicht mehr lang. Im Juli, beim Konzert für Lady Di, könnten Take That wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Bei den ausverkauften Konzerten ihrer Comeback-Tournee haben Gary, Mark, Jason und Howard ihren fehlenden fünften Mann bislang durch eine Projektion ersetzt. Doch seit Robbie Williams’ Mutter der britischen Boulevardpresse verriet, wie sehr ihren Sohn der Erfolg seiner Ex-Kollegen erfreue, gilt es als ausgemacht.

Mütterlicher Instinkt oder professioneller Blick? Jan Williams arbeitet in der Drogenberatung. Jedenfalls weiß sie: Ein anständiger Job würde dem Jungen mal wieder guttun. Robbie galt lange Zeit als Entertainment-Tier, die anderen als Himbeerbubies. In den letzten Jahren hat sich das Bild verkehrt. Gary, Mark, Jason und Howard dagegen sehen nicht nur durch soliden Lebenswandel besser aus, sie haben scheinbar auch den längeren Atem.

Wenn Erziehungsberechtigte im Pop-Geschäft mitreden, ist klar: Wir befinden uns im Kuscheltieruniversum der Boygroups. Take That waren Anfang der Neunziger die britische Antwort auf New Kids On The Block. Hysterische Medien verglichen sie mit den Beatles, hysterische Mädchen drohten, sich umzubringen, als sie sich 1996 trennten. Die Mädchen leben noch. Take That auch. Zwar haben sie mit 25 Millionen Platten – gegenüber 1,3 Milliarden auf Seiten der Beatles – nur einen Bruchteil ihrer Vorbilder erreicht, aber für die Miete reichte es trotzdem. „So lange es Mädchen gibt, wird es Boygroups geben“, sagt Lou Pearlman, der Manager der Backstreet Boys. Denen gelang schon 2005 die Wiederkehr.

Mädchen werden erwachsen, und dann möchten sie sich vielleicht eine Gruppe reiferer Herren anschauen, die in Gucci und Prada für Modestrecken posieren. Boygroups sind wie Übungspuppen. Man kann sie ohne Gefahr lieben, sie stellen keine Ansprüche. Offenbar kann man auch mit ihnen älter werden.

Und was wird aus einer Boygroup, die in die Jahre kommt? Vielleicht eine Männergruppe. „Männer lassen lieben“, lautet ein in solchen Zirkeln populärer Buchtitel. Take That tun es auch. Vielleicht haben sie das von ihren Müttern.

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