Kultur : Talk Talk

Die „Collectors Days“

Nicole Büsing/Heiko Klaas

Kann man ein Tattoo von Douglas Gordon verkaufen, das man auf dem eigenen Rücken trägt? Warum hat Richard Massey aus Miami die Farbe Grau zum Thema seiner Sammlung gemacht? Und wie genau sah die im Westen bis heute fast unbekannte polnische Moderne aus? Wer auf hohem Niveau und in entspannter Atmosphäre über das private Sammeln von Kunst debattieren wollte, der kam zu den dritten „Collectors Days“ im Hotel Castell im schweizerischen Zuoz. Hier trafen sich rund 70 internationale Teilnehmer: Sammler, Galeristen und Kunstinteressierte. Das Hotel Castell, ein burgartiges Grandhotel von 1912, gehört der Zürcher Sammlerfamilie Regula und Ruedi Bechtler. Vor einigen Jahren wurde es behutsam saniert, seine Lobby, die Flure und der Speisesaal sind nun mit Kunst ausgestattet: mit Werken von Carsten Höller, Simon Starling, Roman Signer oder Christine Streuli.

Zusammen mit dem Basler Kurator und Kritiker Daniel Baumann hatte Ruedi Bechtler ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt: Vorträge im Wechsel mit Exkursionen in die urigen Dörfer der Umgebung. Renommierte Galerien wie Tschudi (Glarus), Monica De Cardenas (Mailand) und von Bartha (Basel) unterhalten hier in anspruchsvoll renovierten Engadiner Bauernhäusern teils spektakuläre Dependancen. Tagsüber traf man sich zu Vorträgen und Diskussionen, während Junggaleristen wie Jean-Claude Freymond-Guth aus Zürich oder Bruce Haines von Ancient & Modern in London ihre Programme vorstellten. Der niederländische Schriftsteller Oscar van den Boogaard berichtete von seiner Galeristentätigkeit mit jungen Brit-Art-Künstlern in den Neunzigern, sein Douglas-Gordon-Tattoo „Guilty“ sorgte für Diskussionen. Niels Staerk aus Kopenhagen präsentierte skandinavische Newcomer, engagierte Sammler wie das junge Warschauer Ehepaar Kasia und Pawel Prokesz erzählten von ihrem kontinuierlichen Sammlungsaufbau.

Zuoz ist nicht St. Moritz: Bei den „Collectors Days“ wird nicht geprotzt und geklotzt. Kein Austausch über Preise, kein müßiges Spekulieren über die Kunstmarktblase. Der Inhalt und die Ästhetik der Kunst stehen im Vordergrund. Neue Namen werden offen ausgetauscht, abseitige Entdeckungen und Sammelstrategien preisgegeben, umstrittene Positionen lebhaft diskutiert. Schweizerische Bescheidenheit und der erklärte Wille zur Entschleunigung stehen im Vordergrund. Abseits der Hektik immer neuer Kunstmessen und Vernissage-Wochenenden konzentriert man sich auf das Wesen der Kunst und künstlerisches Denken. Für die vierten „Collectors Days“ planen Bechtler und Baumann eine Öffnung für breitere Kreise: Kunstliebhaber sollen im nächsten Jahr auch dann teilnehmen dürfen, wenn sie keine expliziten Sammler sind. Nicole Büsing/Heiko Klaas

Die 4. Collectors Days finden im September 2009 statt: www.hotel-castell.ch.

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