"Tannhäuser"-Inszenierung : Nemiròva in Frankfurt überschwänglich gefeiert

Richard Wagners Oper "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg" in der Regie von Vera Nemiròva ist an der Oper Frankfurt mit großer Begeisterung aufgenommen worden.

Frankfurt/Main - Das Premierenpublikum applaudierte begeistert, als die bulgarische Jung- Regisseurin am Sonntag ihre erste Wagner-Arbeit vorstellte. Nemiròva, eine Schülerin von Ruth Berghaus und Peter Konwitschny, gilt als Hoffnungsträgerin in der jungen deutschen Regietheater-Szene. Überschwänglichen Applaus erhielt auch der Bariton Christian Gerhaher in der Rolle des Wolfram von Eschenbach.

Pilgern zum Weltjugendtag

Vera Nemiròva verlegt in ihrer Inszenierung die mittelalterliche Handlung in die Gegenwart. Die Pilger werden bei ihr zu jungen Menschen, die nach Rom zum Papst reisen oder zum Weltjugendtag. Sie tragen Rucksäcke, haben Iso-Matten und Schlafsäcke dabei. Tannhäuser selbst ist ein moderner Sänger, ein Künstler, irgendwo in der Nähe von Bob Dylan angesiedelt. Seine Mitmusiker wirken wie die Comedian Harmonists, sind Mitglieder irgendeiner Combo.

Nemiròva und ihr Bühnenbildner Johannes Leiacker thematisieren mit ihrem Ansatz in der 1845 in Dresden uraufgeführten Oper die Rolle der Kunst. Es gehe im "Tannhäuser" um die Zerrissenheit der Titelfigur. Um Flucht und Einsamkeit. Tannhäuser könne nur "schöpferisch tätig sein, wenn er seine Körperlichkeit, seinen Eros zurückzuhalten imstande ist", sagte Nemiròva.

"Marktwert ist entscheidender als Inhalt"

Durch die Verlegung der Handlung in die Gegenwart äußert Nemiròva gleichzeitig Kunstkritik: "Wie inhaltsfern Kunst sich heute überall verkaufen muss, finde ich einfach grenzwertig, Marktwert ist entscheidender als Inhalt", meint sie. So wird in ihrer Inszenierung der Sängerwettstreit zu einem multimedialen Fernsehshow mit Kameras, Gogo-Tänzerinnen und Werbe-Einblendungen.

Die gebürtige Bulgarin Nemiròva lebt seit 1982 in Deutschland und arbeitet seit 1998 als freie Regisseurin. Zu ihren letzten Arbeiten zählen "Otello" an der Semperoper in Dresden, "Le nozze di Figaro" an der Lettischen Nationaloper in Riga sowie "Die Dreigroschenoper" in Luzern. (tso/dpa)

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