Tanz-Akrobatik : Biss in den Zeh

Gut geschaukelt: Brasiliens bekannteste Choreografin Deborah Colker und die Companhia de Danca mit „Rota“ im Admiralspalast.

Sandra Luzina
Rota
Tänzer der Companhia de Danca in der aktuellen Show "Rota" der brasilianischen Choreografin Deborah Colke -Foto: dpa

Deborah Colker ist eine energische Person. Das zeigt auch das kleine Promofilmchen, das die Zuschauer im Admiralspalast vor Beginn der Show über sich ergehen lassen mussten. Waren da nun übereifrige PR-Berater am Werk, oder war der Selbstdarstellungsdrang der Choreografin selbst so groß? Colkers Tanzproduktionen haben immer etwas von Volksbelustigung. Dieses Mal aber kam man sich vor wie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Lieber sieht man die Blondine mit dem stählernen Körper auf der Bühne herumwirbeln – die 46-Jährige hält locker mit ihren jüngeren Tänzern mit – und beim Schlussapplaus tanzt sie so ausgelassen Samba wie die brasilianischen Fußballer nach einem Match. Von Erschöpfung keine Spur.

Deborah Colkers Erfolg gründet in der Kombination aus Enthusiasmus und Erfindungsgeist. Brasiliens bekannteste Choreografin sucht sich jedes Mal neue physische Herausforderungen. Witz, Wagemut und kinetische Intelligenz prägen ihre Tanzkreationen. In ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro spielt die Companhia de Danca Deborah Colker wochenlang vor ausverkauftem Haus. Doch dieser High-Energy-Mix aus Tanz, Sport und Akrobatik kommt auch international gut an. Anlässlich ihres 15-jährigen Jubiläums gastieren die Brasilianer nun für neun Vorstellungen im Admiralspalast.

Die Erfolgsproduktion „Rota“ von 1997 hat den gewissen Dreh: Colker wurde zu diesem Stück durch den Besuch eines amerikanischen Vergnügungsparks angeregt. Die Attraktion ist ein metallenes Riesenrad – das sich freilich erst beim furiosen Finale dreht. Der erste Teil kommt dagegen nicht recht in Schwung. Schnittmuster aus dem Burda-Verlag bilden das Bühnenbild. Colker plündert das Vokabular des klassischen Balletts und lockert es auf mit Alltagsgesten und komischen Einfällen und Ausrutschern. Da sieht man eine Ballerina sich schon mal in einem Anflug von Übermut selbst in den Zeh beißen. Das ist oft kess und hübsch verspielt, choreografisch aber sehr auf den Effekt getrimmt, etwa wenn die bravourösen Dreh- und Spagatsprünge bis zum Abwinken wiederholt werden. Im zweiten Teil bekommt Colker dann die Kurve. Erst stehen die Tänzer auf dem Kopf und schlagen der Schwerkraft ein Schnippchen. Wenn sie dann das Rad erklimmen und in Schwung setzen, dürfen sie endgültig abheben.

Wippen, kreisen, schweben, fliegen – der Choreografin gelingen atemberaubende Momente. Am Ende hat Deborah Colker ihre Tänzer gut geschaukelt. Eher enervierend als beflügelnd ist freilich die Musikcollage. „Rota“ beweist aber mal wieder: Mozart lässt sich auch von Clubsounds nicht unterkriegen.

 Noch bis 12. August (außer montags), jeweils 19.30 Uhr im Admiralspalast

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