Tanz : Das große Gleiten

Tanz-Computer: Anna Huber und Yves Netzhammer in den Uferstudios. Die Schweizer Tänzerin und ihr Landsmann haben gemeinsam das Stück „Aufräumarbeiten im Wasserfall“ entwickelt

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Tänzerische Kämpfe. Anna Huber in „Aufräumarbeiten im Wasserfall“.
Tänzerische Kämpfe. Anna Huber in „Aufräumarbeiten im Wasserfall“.Foto: C. Minjolle

Sie muss das alles aus ihrem Körper hervorbringen, in ihre Glieder fließen lassen, an die Hautoberfläche von Armen, Beinen, Rumpf, Kopf bringen. Erfahrungen und Beobachtungen. Die Tänzerin und Choreografin Anna Huber untersucht die Natur des Menschen in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit. Doch sich selbst stellt sie dabei nie zur Schau. Sie würde auch nie behaupten, dass sich in ihrem neuen Stück in den Berliner Uferstudios ihr eigenes Leben und die Kunst verschränken. Tut es aber doch.

„Ich bin immer noch mit einem Fuß in Berlin“, sagt Anna Huber. Die Schweizerin, geboren 1965 in Zürich, hat über zehn Jahre an der Spree gelebt, gleich nach ihrer Ausbildung zur Tänzerin war sie hierher ausgewandert. In Berlin entwickelte sie ihre ersten sehr erfolgreichen Solostücke, mit denen sie international tourte. Ein „kleines Beben“ ging damals durch die Berliner Tanzszene, schrieb man über sie. Seit 2007 lebt Anna Huber wieder vor allem in der Schweiz, in der Dampfzentrale Bern, einem Kulturzentrum für zeitgenössischen Tanz und Musik, ist sie Artist-in-Residence. Und so wandert sie zwischen Bern und Berlin. Anstrengend sei das, aber auch inspirierend.

Über die Schwierigkeit, sich ständig an einem anderen Ort neu einzurichten, geht es auch in ihrem neuen Stück „Aufräumarbeiten im Wasserfall“. Eine Reihe von Fragen stellt Huber in dem Bühnenraum, der dieses Mal in Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Yves Netzhammer entstanden ist: Was braucht ein Mensch zum Leben oder sogar Überleben? Was gibt Sicherheit, und in welchen Situationen kann die Stabilität kippen? Wie geht man mit Einsamkeit um?

Dass Anna Huber eines Tages einmal mit Yves Netzhammer zusammenarbeiten würde, scheint geradezu unvermeidlich. Nicht nur, weil sich hier zwei Persönlichkeiten treffen, die zu den wichtigsten Künstlern der Schweiz gehören. Netzhammer gestaltete 2007 den Schweizer Pavillon bei der Biennale in Venedig, in Berlin war er zuletzt in einer Ausstellung im Haus am Waldsee zu sehen.

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