Kultur : Tanz der Flügel

Alanis Morissette rockt mit Band in der Arena

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Es ist es wie im Treibhaus. Nachdem der Regen die Luft draußen abgekühlt hat, ist es heiß und feucht in der Arena. Über den Köpfen schwebt ein feiner Nebel aus Zigarettenqualm, menschlichen Ausdünstungen und aufsteigender, feuchter Hitze. Pfiffe, Schreie, Tosen. Dann endlich kühles, blaumetallisches Licht auf der Bühne zum Aufsprung der Musiker. Schweres Rumpeln, infernalisches Lärmen von der Bühne, stürmisches Tosen davor. Denn da kommt Alanis Morissette dazugesprungen: mit den großen Augen, dem großen Mund. Mit schwarzem T-Shirt, nabelfrei, über knackig–enger schwarzer Lederhose. Sie wirft den Kopf in den Nacken lässt die hüftlange, rotbraun gewellte Mähne hinter sich herflattern, stapft, stiefelt kreuz und quer über die Bühne. Kreischt, schreit, gurgelt ins Mikro. Zornige Songs über gescheiterte Beziehungen, miese Männer und andere Unbill. Drei junge Kurzhaarige bearbeiten Gitarren und Bass wie aufgedrehte Skater ihre Boards. Voll aufgedreht. Hüpfen wie aufgezogen. Brettern. Krachen. Während der Trommler knüppelt. Drehen sich um die eigene Achse, immer im Kreis, immer rum.

Die Band steht dicht und kompakt, und etwas abseits sitzt ein Hippie von eulenartigem Aussehen hinter heulender Hammond. Die Band ist gut, der Sound mäßig: matschig. Alanis wird eine glitzernde Stratocaster gereicht, und sie wird zur wüsten Gitarrera. Dann wieder akustisch gezähmt mit melodischen Balladen. Und beim ersten schrägen Quietscheakkord, den sie in die Mundharmonika pustet, heult der Saal verzückt auf, wie beim großen Bob Dylan. Das Licht wird pink, die Klanggebilde floydig. Die Fans reagieren freudig, wenn die schöne Alanis gestreckte Sirenentöne flattern lässt, mit gedehnten Uuh-Aah-Oohs. Aber vorsichtig mit den Äxten, meine Herren Gitarristen! Der eine trägt jetzt Unterhemd, der andere nackten Oberkörper. Ist aber auch zu heiß. Der Keyboarder zaubert bizarre Sounds mit einem seltsamen Schwurbelstab. Alanis gibt den Derwisch: lässt die Haare kreisen wie Hubschrauberrotoren. Veitstanz, Schamanentanz. Das Publikum tanzt mit. Wehende Arme, wehende Körper, nassgeschwitzte Hemden. Nach zwei Stunden die letzte Zugabe: „Thank You“, weißes Blendlicht und ein langsam verhallender Gitarrenakkord. Vor der Halle gießt es in Strömen. Wie war nochmal diese Theorie? Vom Flügelschlag des Schmetterlings? H.P. Daniels

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