Kultur : Tanz der Vampire

Schnell und billig hergestellte Filme werden gerne mit einem Comic-Strip verglichen.Eine Unsitte - Comics hat mitunter mehr Tiefgang als ambitionierte Romane, von ihrer Phantasie ganz zu schweigen.Wie ein Comic zu sein, ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Genrebeschreibung.Vielleicht kann Stephen Norringtons "Blade", der jetzt in 21 Berliner Kinos anläuft, dazu beitragen, Vorurteile gegen Comics und Comic-Verfilmungen abzubauen.Dafür, daß es wieder einmal nur um den Kampf von Gut gegen Böse geht, ist das Drehbuch erstaunlich sauber ausgearbeitet und voller überraschender Nuancen.Wesley Snipes, der selbst manchmal wie das Produkt eines Comic-Zeichners aussieht, kämpft als Titelheld gegen Vampire, die die Welt erobern wollen."Blade" ist zudem insofern ein Film für die ganze Familie, als die Gewaltdarstellungen nicht zur Nachahmung animieren - dazu bewegen sie sich zu sehr im Bereich des Phantastischen.Erwachsene wiederum mögen unerwartete sexuelle Subtexte goutieren, etwa die homoerotische Beziehung des Vampirfürsten Frost (Stephen Dorff) zu seinem Lehrmeister Dragonetti (Udo Kier) oder Blades inzestuöse Wiederbegegnung mit seiner toten Mutter.Besonderes Lob verdient auch der Komponist Mark Isham, der die Melancholie des Titelhelden betont, statt den Film mit dem genreüblichen Getöse zuzudecken.

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