Kultur : Tanz die USA!

Bodo Mrozek

sucht das gute Amerika in der Plattenkiste Eigentlich war es eine hübsche Idee. Als am Dienstag zahlreiche Berliner Clubs, etwa der Magnet oder der Mudd-Club, zu US-Wahlpartys luden, da sah es fast so aus, als würde das oft als unpolitisch gescholtene Nachtleben am Schicksal der Welt teilnehmen wollen. Leider verbesserte sich die Stimmung mit fortschreitender Stimmauszählung nicht gerade und so mancher schlich schnell nach Hause.

Kommt denn gar nichts Gutes mehr aus dem Mutterland der Popkultur? Der Sieg von Bush – das ist auch ein Sieg über den Popwahlkampf der Demokraten, auch wenn mit alten Männern wie Bruce Springsteen bei den umworbenen Erstwählern kein Blumentopf zu gewinnen war. Dabei sind amerikanische Einflüsse derzeit äußerst gefragt. Nach dem teutonischen Gestampfe besinnt sich auch die neuere Clubmusik allüberall auf eine amerikanische Errungenschaft: den Funk.

Der Funk stammt aus einer Zeit, die ihre optimistische Energie aus dem Clash der Kulturen bezog. Der Funk-Spezialist Howard C. Harris nannte als Eltern der Funkmusik den Gospel, Rock, Jazz, Blues und Pop. Mit anderen Worten: anglo- , afroamerikanische und hispanische Einflüsse. Und viele Funkmusiker wandten sich Anfang der Siebziger dem Islam zu. Da ist es eine gute Nachricht, dass sich das DJ-Duo Chamäleon und Mr. Chung unter dem Label Funky Potato Club (sic!) wiedervereinigt hat. Wenn der Türke und der Koreaner am 6.11. im Lovelite (Simplonstr. 35, Friedrichshain) auflegen, bringen sie auch den amerikanischen Schmelztiegel der Kulturen zu Gehör – eine Rhythmus gewordene Utopie, von der man nur hoffen kann, dass sie nicht vor ihrem Ende steht.

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