Kultur : Tanz durch die Hölle

Christopher Walken zum 70. Geburtstag.

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Schauspielen war für ihn immer ein Spiel: Christopher Walken. Foto: Paul Buck/epa/dpa
Schauspielen war für ihn immer ein Spiel: Christopher Walken. Foto: Paul Buck/epa/dpaFoto: dpa

Christopher Walken ist in der Auswahl seiner Rollen anspruchslos, er rühmt sich sogar damit, noch nie ein Drehbuch abgelehnt zu haben. Aber so aussichtslos ein Projekt in künstlerischer oder kommerzieller Hinsicht sein mag – wenn die Kamera läuft, gibt Walken alles. Deshalb ist er als Schauspieler nicht abgestumpft, werden ihm auch weiterhin anpruchsvolle Aufgaben übertragen. Am 2. Mai kommt „A Late Quartet – Saiten des Lebens“ ins Kino, darin spielt er einen an Parkinson erkrankten Cellisten, der sich auf sein Abschiedskonzert vorbereitet.

Obwohl man ihn mit schwierigen bis neurotischen Charakteren assoziiert, war Walkens Zugang zu seinem Beruf von Beginn an spielerisch. Er wollte mehr Geld verdienen als sein Vater, ein deutschstämmiger Bäcker, also bewarb er sich als Kinderdarsteller beim Fernsehen. Weil er für Elvis Presley schwärmte, vor allem wegen der Hüftbewegungen, wurde er Tänzer, trat in Nachtclubs auf. Auf New Yorker Bühnen spielte er Shakespeare-Rollen, war Trigorin in Tschechows „Möwe“ und der Gigolo Chance in Tennessee Williams’ „Süßer Vogel Jugend“.

Zu Beginn seiner Karriere sah er blendend aus, aber beim Film hatte er zunächst kein Glück. Die Kamera liebte ihn nicht, Kritiker fanden ihn kalt, narzisstisch. Erst mit 35 gelang ihm der Durchbruch: Michael Ciminos Vietnamkriegsepos „The Deer Hunter (Die durch die Hölle gehen“ (1978) sorgte wegen seines unterschwelligen Rassismus für Kontroversen, zugleich ernteten die Darsteller höchstes Lob. Vor allem Walken als traumatisierter Soldat, der seinen Faible für Russisch Roulette entdeckt. Dafür gab es einen Oscar als bester Nebendarsteller.

Er bewegte sich jetzt lockerer vor der Kamera, wirkte aber zu schräg, schrullig und exzentrisch, um für Hauptrollen besetzt zu werden. Also sah man ihn als Gegenspieler von James Bond und Batman, er wurde wiederholt als Gangsterboss besetzt – dabei fürchtet sich Walken vor Schusswaffen und schnellen Autos. Nur einmal wurde er in einen Skandal verwickelt: Im November 1981 leistete er dem Schauspielerehepaar Natalie Wood und Robert Wagner Gesellschaft auf ihrer Yacht. Wood fiel von Bord und ertrank. Walken selbst lebt vorsichtig und gesund und ist seit 44 Jahren verheiratet. Sein Vater wurde 97, seine Mutter 102. Gute Aussichten für den Mann, der heute seinen 70. Geburtstag feiert. Frank Noack

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