Kultur : Tanz über die Freude

Jenny Zylka

macht sich Sorgen um ihre Stromlinienform Ein BH aus Kokosnusshälften kommt auf der Total-schick-aber-kaum-praktikabel- Skala gleich nach dem Häkelbikini. Was der Häkelbikini dem Kokosnuss-BH allerdings auch noch voraus hat: Er ist angenehmer zu tragen. Ins Wasser sollte man mit beiden nicht gehen. Wolle ist bekanntlich stark hygroskopisch, wiegt nach einer kleinen Poolrunde locker sieben Kilo mehr und kratzt und piekst. Und Kokosnusshälften schwimmen erstens oben und sind zweitens nicht unbedingt stromlinienförderlich.

Trotzdem: So ein BH aus Kokosnusshälften, das wär’s doch. Gerade jetzt, im Herbst. Glücklicherweise ist manchen Menschen die Jahreszeit egal, darum feiert das Bassy , unser Lieblingstanz- und Cowboyclub, der neulich nach Mitte umgezogen ist (Kleine Präsidentenstraße, Bogen 157/158) , am Samstag trotzig eine große Hula-Party , wohlgemerkt Hula, nicht Tiki, das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied: Hula nennt man den Tanzstil, in dem Mädchen (mit BHs aus Kokosnusshälften) ihre Hüften wiegen, an denen blumige Baströcke hängen, und das hat alles auch noch soziale Bedeutung, und heißt zum Beispiel „Tanz über die Freude darüber, dass die Schwiegermutter zwei Wochen aufs Festland gefahren ist“ oder „Tanz, um US-amerikanischen Flitterwochentouristen ein paar Dollar abzuknöpfen“, was um die unnachahmlich anmutige Bewegung des Jemandem-einen-Blumenkranz-Umhängens erweitert werden kann. Ach, Hula! Tiki heißt dagegen der Gott, der für Hula und Konsorten zuständig ist. Am Samstagabend (22 Uhr) tanzt ein Mädchen in einem BH mit Kokosnusshälften und Bastrock im Bassy, danach legt DJ Lemon Squeezer Hula-Billy auf, eine tanzbare Mischung aus wehmütigen Exotik-Sounds und Rockabilly. Die Blumenkette nicht vergessen.

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