Kultur : Tanz um die Briefmarke

Jenni Zylka

entdeckt die blaue Mauritius Erdgeschoss: Schulkindgroße Roboterwesen rutschen auf dem glänzenden Boden umher und quieken entrückt. Erster Stock: auf Knopfdruck sieben verschiedene Posthornsignale, daneben die Briefkastensammlung. Zweiter Stock: eine entzückende Tiersprache-Ausstellung mit Wissenswertem über den schlauen Hans (das Pferd, das rechnen kann), den schlauen Sparkie (den Wellensittich, der reimen kann) und Lamatherapien zur Suchtkrankenbehandlung. Und im Keller, in einem abgedunkelten Raum: die blaue Mauritius. Mit der man jeden Brief zum Hauptgewinn für den Empfänger machen könnte. Das muss man sich mal vorstellen: 55 Eurocent für die deutsche Schneckenpost, und daneben klebt die blaue Dame von der Insel.

Wieso also gehen nur so wenige ins Museum für Kommunikation ? Wo man doch siebzehn Achtzehntel seines Lebens mit dem Versuch verbringt, den richtigen Anlass/Zeitpunkt/Ort/Dialekt zum Kommunizieren zu erwischen. Heute abend träfe man in der Leipziger Straße 16 (Mitte) Jana Pallaske da, die kussmündige Berlinerin aus „alaska.de“ und „Was nützt die Liebe in Gedanken". Sie moderiert eine Modenshow der „Berlin Fashion Week“ (ab 23 Uhr). Fräulein Jana stellt sieben neue, junge Designer vor, inklusive Models, die zur Musik von Jazzanova versuchen, nicht mit den herumirrenden Robotern zu kollidieren. Später, wenn das Modebier fließt, das Posthorn tönt und die Models längst in Turnschuhen durchs Publikum schlendern, legen DJ Daniel Haaksmann , Resident im Cookies, und Tim „Love“ Lee auf. Wobei „Love“ eindeutig einer der schönsten Middlenames ist, die sich ein DJ aus Nottingham nur ausdenken kann. Und dann gibt es noch einen Live Act von Stijn , der in drei Sprachen singen kann. Falls irgendjemand vergessen haben sollte, wo man sich befindet.

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