Kultur : Tanz und Kabarett in Berlin: Daily Soap

Denise Dismer

Sieben Gäste betreten die Dreizimmerwohnung, ziehen sich Hausschuhe an, schleichen über den Flur. Im Wohnzimmer fällt ein Typ im Pyjama vom Sofa, im Schlafraum mümmelt ein Mädchen in den Kissen, im Bad uriniert ein dritter. Die Zuschauer folgen den fünf Schauspielern durch die Räume, fühlen sich ihnen gegenüber, die ihre Blicke ignorieren, wie Voyeure. Christiane Müller heißt die Frau, die dem Choreographenduo Two Fish für die 11. Tanztage ihre Wohnung überließ (Gabriel-Max-Str.2, bis zum 8. 1. , Tel. 25 88 66 44. Aufführugen am 16. / 17. 1. um 20 Uhr in den Sophiensælen). In dem privaten Ambiente tasten sich die Zuschauer voran, gehen von Akteur zu Akteur, lauschen den Monologen. Ein Mädchen steht vor dem Fernseher, erinnert sich an ihre Kindheit: "Wir hatten so ein Spiel, in dem wir uns Noten gaben: Wer hat die schönsten Augen, wer die schönsten Wimpern?" Dann beginnt sie in der Stille zu tanzen, knotet die Füße, wurschtelt mit den Händen und wirft die Arme wie eine Lasso durch die Luft. Währenddessen beobachten andere Gäste, wie zwei Tänzer ein Mädchen über ihre Körper rollen, es auf dem Teppichboden hin und herschleifen, seinen Oberkörper zusammenfalten. Endlich trifft das Ensemble im Wohnzimmer zusammen. Sie reflektieren über Vergangenheit, Zukunft, Familie, Freunde. Fünf Charaktere, fünf Lebensgeschichten, jeder allein. Absurd wirkt die Inszenierung in der Friedrichshainer Wohnung, als hätten die Zuschauer sich in eine Daily Soap geschlichen. Um so spannender wird es sein, die Inszenierung auf der Bühne zu beobachten.

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