Kultur : Tanztheater: Gib mir deinen Saft!

Sandra Luzina

Nackt im Kunstpelz. Auf animalisch gebürstete Tänzer. "Bitte nicht füttern!", lautet die Aufforderung an die Zuschauer, denen die neun Akteure der Compagnie par b.l.eux aus Montreal zu Leibe rücken. In "Confort et Complaisance", das beim "Tanz im August" seine Deutschlandpremiere erlebte, findet ein Happening statt - mit aufblasbarer Couch und kleinem Wasserbassin.

Anatomische Zeichungen stimmen ein auf die einstündige Schrei-wenn-du-kannst-Perfomance. Seufzer, Stöhnen und Kommandos bilden die Tonspur zu den Bühnenexzessen. Entführt uns der kanadische Choreograf Benoît Lachambre in einen Garten der Lüste oder in ein erotisches Folterkabinett? Aus einer roten Gummiwärmeflasche rieselt Wasser an den Beinen einer Nackten herunter. Gib mir deinen Saft, ich geb dir meinen - so könnte das Motto lauten für die Austausch auf der Bühne. Behagen und Gefälligkeit also. Lauter Autoerotiker treten auf, die sich sexuelle Gefälligkeiten erweisen. Und dafür sorgen dafür, dass der Zuschauer sich garantiert nicht wohl fühlt in seiner Haut. Der soll gestoßen werden auf die verdrängten, tabuisierten Seiten seiner körperlichen Existenz. Nicht der genormte Sex, nicht der disziplinierte Körper; demonstriert werden soll ein kindlicher Gebrauch der Lüste. "Polymorph pervers", um mit Dr. Freud zu sprechen.

Willkommen im Reich der Triebe. Jeder, wie es ihm gefällt. Ein wenig Pein muss sein. Wippen und plantschen. Körper aneinanderreiben. Sich in Zucker wälzen. Dann die Dompteursnummer. Porno-Queen im Pelz mit mörderischen High-Heels. Peitsche schwingen, erniedrigen. Hündische Posen. Erotik-Szenen aus der Fetischabteilung - öde und unscharf. Die Ballade von der sexuellen Hörigkeit, verkuppelt mit einem verspäteten Orgien-Mysterien-Theater. Doch dies ist eine Ausschweifung, die nicht losgeht. Fleisch satt - aber kein Mysterium. Eine Freakshow.

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