Kultur : Tanzwunder

Ballettstar Richard Cragun mit 67 Jahren gestorben.

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Foto: Bernd Weissbrod, dpa
Foto: Bernd Weissbrod, dpaFoto: picture alliance / dpa

Er war der Star des Stuttgarter Balletts. Nun ist Richard Cragun im Alter von 67 Jahren gestorben. In einer Klinik in Rio de Janeiro erlag er am Montag den Folgen seiner Aids-Erkrankung, wie die brasilianische Zeitung „Jornal do Brasil“ berichtete. „Richard war einer der besten Tänzer der Welt, auf dem Niveau von Rudolf Nurejew“, sagte seine langjährige Weggefährtin Marcia Haydée. Für seine Tanzpartnerin Birgit Keil, heute Ballettdirektorin am Badischen Staatstheater in Karlsruhe, ist sein Tod „ein großer Verlust nicht nur für die Tanzwelt“. Richard Cragun war gerade mal 18 Jahre alt, als John Cranko ihn 1962 nach Stuttgart holte. Dort wurde der kalifornische Sunnyboy zu einer zentralen Figur des „Stuttgarter Ballettwunders“. Er und seine ältere Partnerin Marcia Haydée galten lange Zeit als das Traumpaar des Balletts schlechthin.

Richard Cragun war nicht nur ein charismatischer Tänzer, er strahlte auch Erotik aus. Er glänzte als Interpret abstrakter Werke, seine größten Erfolge aber feierte er in den Handlungsballetten Crankos. Unvergessen ist er als Romeo und Onegin, die Rolle des Petruccio in „Der Widerspenstigen Zähmung“ habe Cranko ihm – so erzählte Cragun gern und oft – von Mann zu Mann zum Geschenk gemacht. John Neumeier war so angetan von Craguns Männlichkeit, dass er ihm die Rolle des Stanley Kowalski in „Endstation Sehnsucht“ anvertraute. In Marcia Haydées Version „Dornröschen“ changierte Cragun als schwarze Fee Carabosse zwischen dem Männlichen und Weiblichen.

Mehr als dreißig Jahre tanzte Cragun in Stuttgart. In Berlin, wo er von 1996 bis 1999 Ballettdirektor der Deutschen Oper war, blieb der Erfolg dann allerdings aus. Mit seinem Lebensgefährten, dem brasilianischen Tänzer Roberto de Oliveira, ging er 2001 nach Brasilien. Die beiden gründeten dort eine Kompanie und eine Schule für Kinder aus den Favelas. Zudem leitete Cragun von 2003 bis 2004 das Ballett des Stadttheaters von Rio de Janeiro.

Vom Krankenbett hatte er Haydée noch zu sich gerufen, doch als sie eintraf, war er schon nicht mehr bei Bewusstsein. Nicht nur die Stuttgarter Ballettfamilie trauert um Richard Cragun, sondern die gesamte Tanzwelt. Sandra Luzina

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