• Tarif-Modell: Mit den besten Grüßen vom Kanzler: Warum die Einigung für Gerhard Schröder so wichtig ist

Kultur : Tarif-Modell: Mit den besten Grüßen vom Kanzler: Warum die Einigung für Gerhard Schröder so wichtig ist

Carsten Germis

Vor fast drei Wochen, an einem Donnerstag, feierte VW-Personalvorstand Peter Hartz in der niedersächsischen Kleinstadt Königslutter seinen 60. Geburtstag. Überraschender Gast an diesem Abend: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Auch VW-Chef Ferdinand Piech, der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte, IG-Metall-Vize Jürgen Peters, Niedersachsens Ministerpräsident Siegmar Gabriel (SPD) und VW-Betriebsratschef Klaus Volkert freuten sich bei gutem Essen und trockenen Weinen mit dem Geburtstagskind.

Der Kanzler jedoch war nicht nur gekommen, um seinem Duzfreund Hartz zu gratulieren. Er kam, nahm die Spitzen des Unternehmens und der Gewerkschaften beiseite und redete Tacheles. Auf jeden Fall sollten beide Seiten sich auf das umstrittene Tarifmodell "5000 mal 5000" für neue Arbeitsplätze bei Volkswagen einigen, forderte er. Das Modell könne ein Beweis sein für das Innovationsmodell in Deutschland, redete er auf Unternehmer und Gewerkschafter ein.

Schröders gutes Zureden blieb nicht ohne Erfolg. "Gewerkschaften, Geschäftsleitung und Betriebsrat haben sich fest in die Hand versprochen, dass das jetzt läuft", verkündete er am nächsten Tag zufrieden in die Fernsehkameras. Der Druck auf beide Seiten war nun groß, sich trotz aller Gegensätze zu einigen. Das war wieder eine Aktion ganz nach dem Geschmack Schröders. Er, der Macher, krempelt die Ärmel hoch, hilft in festgefahrenen Konflikten und liefert gleich noch ein schönes Beispiel dafür, wie er sich Modernisierung in Deutschland vorstellt. Der Kanzler weist die Richtung. Und die konkrete Einigung müsse "man nun den Tarifpartnern überlassen", ergänzte Niedersachsens Ministerpräsident Gabriel.

Schröders Einsatz für den VW-Tarifvertrag über "5000 mal 5000", der 3500 Arbeitslose in Wolfsburg und später eventuell weitere 1500 in Hannover qualifizieren und wieder in eine Beschäftigung bringen soll, beschränkte sich aber nicht nur auf den Party-Besuch bei Peter Hartz. Als das neue Tarifmodell, das Löhne um 20 Prozent unter dem VW-Tarif Ende Juni im ersten Anlauf auch am Veto von IG Metall-Chef Klaus Zwickel scheiterte, war der Kanzler richtig sauer. "5000 Mark plus Ergebnisbeteiligung sind kein Niedriglohn", sagte er. "Tief verärgert" sei Schröder nach dem Scheitern im Juni gewesen, heißt es. Kein Wunder: Er braucht Erfolge angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und der anhaltenden Schwäche der Konjunktur. Da käme ein von ihm mit eingefädelter Coup bei VW gerade recht.

Am Dienstag, nach der Einigung von Volkswagen und Gewerkschaften auf den Tarifvertrag für eine eigens für dieses Experiment neu gegründete GmbH, in der die 3500 Beschäftigten ab Herbst 2002 einen Minivan auf Golf-Basis bauen sollen, zeigte sich Schröder entsprechend zufrieden. "Andere Unternehmen und Gewerkschaften sind nun aufgefordert, dem Beispiel von VW und IG Metall zu folgen und ähnlich innovative Lösungen zu schaffen", sagte er in Berlin. Was bei VW gelang, ist für ihn auch eine Bestätigung für seinen politischen Ansatz im Bündnis für Arbeit. "Ein Dreiklang aus Flexibilisierung der Arbeitszeit, Qualifizierung der Arbeitnehmer und einer verantwortungsbewussten Tarifkultur der Sozialpartner ist der richtige Weg, um neue Arbeitsplätze zu schaffen", meint Bundeskanzler Schröder - und das alles im Konsens.

Mut, Beweglichkeit und Verantwortungsgefühl hat der Kanzler dem Wolfsburger Unternehmen und der IG Metall jetzt als Dank bescheinigt. Dankbar kann er ihnen auch sein. Endlich gibt es einmal wieder positive Nachrichten für Arbeitsplätze in Deutschland. Und Schröder steht ein bisschen da wie im Dezember 1999, als er sich einmischte, um das Bauunternehmen Philipp Holzmann vor der Pleite zu retten.

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